Der Autor

Niklas Noack, Jahrgang 1992, studiert Sport an der Karls-Universität Prag. An seiner Heimatuniversität in Tübingen studiert er Sportpublizistik.

Für prag aktuell schreibt er seit Februar 2017. Neben seiner Priorität, dem Sport, interessiert er sich auch für gesellschaftliche und politische Themen.

Am liebsten schreibt er auch darüber, weshalb diese Themenbereiche beim Bloggen über seinen Alltag in Prag selbstverständlich ebenfalls gestreift werden. 

Blog

| Niklas Noack | Rubrik: Reise | Redaktionsblog | 7.3.2017

Bei Ankunft abgezockt!

Ein Erfahrungsbericht, wieso der erste Geldautomat nicht immer der beste ist

Ausgestiegen am Prager Busbahnhof Florenc, nehme ich mein nicht zu klein ausgefallenes Gepäck vom Fernbusfahrer entgegen. Hektisch drehe ich dem Bus, der in Berlin startete, den Rücken zu, um mein Auslandssemester in der Goldenen Stadt zu beginnen.

Mein erster Blick dabei gilt dem fünf Meter entfernten Geldautomaten, direkt gegenüber meiner Haltestelle. Denn ich wollte mir erstmal eine günstige Packung Zigaretten kaufen, bevor ich in den Kampf mit der für mich unbekannten Stadt aufnehme.

Ich lehne mein Gepäck an eine Wand neben dem Automaten, während mir eine leise Stimme meines Gehirns flüstert, dass es wohl besser sei, ein Blick auf dieses zu werfen. Nichts leichter als das: Wer in Berlin noch nie beklaut wurde und sowieso im ganzen Leben noch nie, der wird das in Prag erst recht nicht. Und bestimmt nicht innerhalb der ersten fünf Minuten seiner Ankunft.

Auf meinem orangenen großen Rollkoffer, thront auch meine Laptoptasche. So eine schwarze, wie sie eigentlich nur Geschäftsleute tragen. Mein noch nicht abbezahlter Laptop, der sich darin befindet, darf auf keinen Fall wegkommen.

Ich widme mich also mit halber Aufmerksamkeit dem Geldautomaten und schiebe meine Visakarte hinein. Mit der Währung habe ich mich vor meiner Anreise noch nicht beschäftigt. Dementsprechend wirr kommen mir die Beträge vor, die auf dem Display erscheinen. 4000 Kronen wird als geringster abhebbarer Betrag angezeigt.

Gut, denke ich, dann sind das vielleicht zwanzig Euro. Ich ziehe zwei 2000-Kronen-Scheine aus dem Automaten. Von hinten tippt mir ein kleinerer Mann, seinem grauen Haar und Bart zu urteilen, um die Fünfzig, auf die Schulter. Ich drehe mich mit einer leicht anhaltenden Überforderung um. Der Mann, der mich an eine ältere und dickere Version von Adam Malysz (ehem. polnischer Skispringer) erinnert, streckt mir vier Scheine entgegen. Ich verneine höflich, konnte aber eine gewisse Hektik nicht verbergen.

Mein Blick geht kurz zurück auf mein Gepäck. Alles noch da. Der Mann auch. Er beginnt mit mir deutsch zu sprechen. Er will Geldwechseln. Na gut, denke ich, dann verschwindet er hoffentlich. Ich blicke auf meine zwei Scheine, die ich noch nicht mal in meinem Geldbeutel verstauen konnte. Als ich die vier scheinbaren 500-Kronen-Scheine des Mannes in den Händen halte, ärgere ich mich bereits, mich auf dieses diffuse Geschäft eingelassen zu haben.

Ich suche einen Schalter auf, um mir eine Fahrkarte zu kaufen. An der Touristeninformation scheitert mein erster Versuch: „No good money“, hieß es. Mit großen Augen schaue ich die Dame am Schalter an, die aber nichts weiter zu sagen hatte. Ich gebe ihr die zweite Hälfte meines Geldes und verlasse den Schalter mit einem 24h-Ticket und etwas Wut im Bauch.

Ich ärgere mich zwar, aber ganz aufgegeben habe ich das falsche Geld noch nicht. Mein erster Gedanke: „Irgendeine schäbige Kneipe wird das Geld schon nehmen.“

Als ich ein weiteres Mal am Automaten vorbeikomme, entdecke ich ein Schild auf dem vor Geldwechslern auf der Straße gewarnt wird. Es folgt mein zweiter Gedanke: „Mir reichts, ich verstecke mich nun in der Nähe des Automaten und überwältige den Gauner, sobald er aus seinem Versteck auftaucht.“

Ich Angsthase traue mich das natürlich nicht und in mir beginnt die Selbstreflexion: Ein einziger Blick in einen Reiseführer hätte wohl gereicht, um dieses Debakel zu verhindern und wie blöd kann man eigentlich sein? Aber naja, mein Gepäck habe ich immerhin noch. 

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