Der Autor

Henning Bleyl ist 1969 in Karlsruhe geboren.1991 studierte er "Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis" an der Universität Hildesheim. Er absolvierte zu dem zwei Auslandssemester in Spanien und Italien. 1998 fertigte er seine Diplomarbeit mit dem Thema "Klassik als Propaganda-Medium? Zur politischen Funktion der Auslandsreisen der Berliner Philharmoniker für den NS-Staat" an.

Seit 2001 ist Henning Bleyl Kulturredakteur der "tageszeitung" (taz nord). Nebenbei ist er Dozent an mehreren Hochschulen wie z.B. der Hochschule Bremerhaven.

Henning Bleyl gewann schon mehrere Preise mit seinen Werken. Unter anderem gewann er 2016 den Publizisten Preis des dbv.

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| Henning Bleyl | Rubrik: Panorama | 20.10.2016

Pragtag 4

  • Gemälde deutsche Siedlungsoffensive

Prag ist eine multireligöse Metropole. Kaum bin ich aus dem Haus kommt mir der Dalai Lama entgegen. Grüß Gott.

Mein Weg führt nach Chodov. Denn wer etwas über die Vergangenheit wissen will, muss in die Vorstadt. Dort ist das tschechische Nationalarchiv untergebracht - an einem surrealen Ort, zwischen Mercedes-Niederlassung, Schnellstraßen und anderen architektonischen Investorenträumen. Aber ich werde fündig. Lese, wie Emma Fuchs 1941 ihre Aktien der Graf AG zum Dumpingpreis verkaufen muss – mitsamt folgender Vertragsklausel: Sie verzichtet „auf das Recht der Anfechtung dieses Vertrags, aus welchem Grunde auch immer“. Und „insbesondere“ auf eine Anfechtung wegen Verkaufs „zu über oder unter der Hälfte des Wertes“. Das „über“ hätte man weglassen können. Aber nicht mal der Dumpingpreis kommt bei Emma Fuchs an, der Erlös wandert auf ein Sperrkonto. Graf produziert Suppenwürze.

Das Bild des heutigen Tages stammt ebenfalls aus dem Archiv: ein zeitgenössisches Gemälde, das deutsche Siedler zeigt, die böhmische Höfe „übernommen“ haben. Eine „volkpolitische Aufgabe“, heißt es in den entsprechenden Akten, bei der „rassisch-biologische Gesichtspunkte entsprechende Berücksichtigung finden“.

bleyl@taz.de

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