Der Autor

Konstantin Kountouroyanis, M.A., geb. im niedersächsischen Celle (Deutschland). Nach kaufmännischer Ausbildung und einigen Berufsjahren - bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften in Hannover - Studium der Germanistik (Geschichte/Politik) und Mathe/Informatik in Hannover.

1988 Reise in die USA zu journalistischen Recherchezwecken über die ersten Forschungsergebnisse in der Gen-Forschung/Altersforschung/Gerontologie (u. a. an der Johns-Hopkins University in Baltimore/Maryland und University of Florida in Gainesville).

Frühes Interesse an der Prager deutschen Literatur. 1996: Praktikant an der Karls-Universität Prag, 1997: Praktikant bei der Prager Zeitung. Dozent für DaF u. a. am Goethe-Institut Göttingen (seit 2006) und Goethe-Institut Prag (2012/13).

2001/2002 Assistant Professor an der Han-Nam University in Daejon/Süd-Korea.

Zahlreiche journalistische Publikationen und wissenschaftliche Mitarbeiten [u. a. an: "Suttner im KonText - Interdisziplinäre Beiträge zu Werk und Leben der Friedensnobelpreisträgerin", Johann Georg Lughofer (Hg.), Milan Tvrdík (Hg.)]. Schriftstellerische Tätigkeit seit dem 16. Lebensjahr. Tätigkeiten als Fotograf und Mediendesiger (Webdesigner/Programmierer).

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| Konstantin Kountouroyanis | Rubrik: Politik | Userblog | 8.5.2015

Warum ich heute feiere

Ein Kommentar zum 8. Mai
  • Foto 1: Denkmal am Klarov-Platz in Prag. Es erinnert an den tschechischen Widerstand während der deutschen Okkupation 1938 - 1945
  • Foto 2: Kranzniederlegungen am 8. Mai 2015, dem 70. Jahrestag des Kriegsendes
  • Foto 3: Fanfare und Salutationen
  • Foto 4: Tschechische Soldaten in Paradeuniformen
  • Foto 5: Zeitzeugen berichten von Tafeln herab, die an mehreren Stellen in der Stadt aufgestellt sind.

Warum ich heute einen Feiertag begehe,  fragen mich deutsche Freunde am Telefon. Ich runzele die Stirn, lasse mir aber ansonsten nichts anmerken. "Heute ist der 8. Mai", sage ich. "Heute wird das Kriegsende gefeiert und nicht nur in Tschechien, sondern auch in anderen Ländern", fasse ich mich kurz. Aber warum ich denn feiere, fragen wieder die deutschen Freunde und nicht arbeite, denn schließlich sei heute doch ein ganz normaler Werktag und nicht Weihnachten oder Silvester. "Ja," sage ich kurz angebunden, "vielleicht in Deutschland, aber nicht in Tschechien und in anderen Staaten", wiederhole ich mich, denn in Tschechien ist heute der 8. Mai ein offizieller Feiertag. In Prag wurden vor dem Denkmal für den Widerstand gegen die deutsche Besatzung am Klarov-Platz Kränze niedergelegt, Reden gehalten und es wurde salutiert. Der Wallensteingarten und das Wallensteinpalais (heute Sitz des Senats) begingen heute einen Tag der offenen Tür. Im Prager Stadtteil Hradčany, auf der Straße Dejvická feiern die Bürger noch zur Stunde (21:35 Uhr) mit einem Bühnenkonzert und natürlich auch viel Bier das Kriegsende.

Und in Deutschland? In Deutschland wurde zwar heute im Berliner Bundestag dem Kriegsende gedacht und es wurden auch Reden gehalten, aber warum ist der 8. Mai eigentlich nicht auch in Deutschland ein Feiertag, frage ich und meine das vollkommen ernst. Immerhin hat die tagesschau auf ihrer Internetseite (http://www.tagesschau.de/) für den 8. Mai ganz am Ende unter den sog. "Schlusslichtern" Platz. Ganz oben steht die Wahl in Großbritannien, danach Deutschlands Sorge um die Treffsicherheit des neuen G36 und nach Bahn-Streik, Kita-Streik und der Fußballbundesliga findet sich ganz am Ende der Hinweis auf  "70 Jahre Kriegsende in Europa" Es sieht ein wenig verstohlen aus, so auf den 70. Jahrestag des Kriegesendes hinzuweisen und wenn dann deutsche Freunde mir sagen, dass sie nichts zum Feiern hätten, weil sie "ja den Krieg verloren haben", dann sage ich: Doch, es gibt einen Grund für Deutschland zum Feiern, nämlich die Befreiung vom Faschismus, die Befreiung von einer Diktatur und den Rückgewinn der Demokratie! Filme und Bücher wie "Fatherland" machen mir an solchen Tagen immer wieder deutlich, wie Deutschland und Europa - vielleicht sogar auch noch die USA und Asien - heute aussehen würden, wenn Deutschland nicht zur Kapitulation gezwungen worden wäre. Wenn Deutschland den Krieg nicht verloren hätte, dann wäre ich vielleicht nie geboren worden. Wenn Deutschland den Krieg nicht verloren hätte, dann hätte ich es in Deutschland als Kind einer "Mischehe" zumindest wesentlich schwerer gehabt, als ich es ohnehin schon in der Kleinstadt Celle in den 60ern und 70ern hatte.

Wenn deutsche Freunde mir sagen, dass sie heute vor 70 Jahren den 2. Weltkrieg verloren haben, dann klingt das für mich immer wie eine Art von demütiger Trauer. Was ich mir aber wünsche, wäre ein deutsches Pondon zu dem Feiertag am 8. Mai in Tschechien und anderen Ländern. Es gibt nämlich etwas zu feiern, auch in Deutschland, nämlich die Befreiung vom Faschismus und das Geschenk für einen demokratischen Neuanfang.

Konstantin Kountouroyanis
Bildnachweis:
Fotos 1-5: © by Konstantin Kountouroyanis

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