Prag | Rubrik: Kultur, Musik | 1.3.2017

Johannisfest Navalis in Prag

Barockes Wasserfest auf der Moldau an der Karlsbrücke mit dreihundertjähriger Tradition - alljährlich am 15. Mai

  • Musik auf der Moldau
  • Gottesdienst im Veitsdom
  • Prozession von der Burg
  • Ziel ist die Karlsbrücke
  • Lichtspiele und Feuerwerk auf der Moldau
  • Historisches Vorbild

Prag - Nach langer Unterbrechung wurde im Jahr 2009, anlässlich des 280. Jubiläums der Heiligsprechung Johannes Nepomuks, eine alte und fast vergessene Tradition wiederbelebt: das Johannisfest Navalis in Prag. 

Der Anlass war dabei nicht zufällig gewählt. Denn das Wasserfest ist eben dem bekanntesten böhmischen Heiligen und "Prager" gewidmet, der als "Brückenheiliger" bekannt ist und nicht nur in Tschechien als Schutzpatron der Schiffer verehrt wird.  

Die Bezeichnung "Navalis" geht dabei auf den lateinischen Ausdruck für Bootsmusik zurück: Musica navalis in honorem Sancti Ioannis Nepomuceni (Musik auf Booten zu Ehren des heiligen Johannes Nepomuks).

Ein untrennbarer Bestandteil der Feier, die auf eine dreihundertjährige Tradition zurückblicken kann, waren und sind bis heute die allegorisch geschmückten Wasserfahrzeuge. 

Neben Pilgern aus aller Welt kommen alljährlich auch venezianische Gondolieri zu den Feiern nach Prag. Denn Johannes Nepomuk ist auch der Schutzheilige aller Gondolieri und einer der acht Schutzheiligen Venedigs.  Die ersten barocken Feiern orientierten sich dabei tatsächlich an ähnlichen Feiern  in Venedig, deren Kunde bis nach Böhmen vorgedrungen war. 

Geschichte

Erstmals ist eine entsprechende Feier auf der Moldau mit Musik auf Booten verbirgt für den 5. Mai 1627. Anlass war damals die Überführung der sterblichen Überreste des heiligen Norbert in das Kloster Strahov.  In den folgenden Jahrzenten fanden ähnliche Wasserfeste nur zu ganz besonderen Anlässen statt. 

1683 wurde auf der Karlsbrücke die Statue des Johannes von Nepomuk aufgestellt und am 15. Mai 1715 um 16 Uhr fanden dann die ersten St.-Johannis-Wasserfeiern statt, die von der Ordensgemeinschaft der Kreuzritter mit dem roten Herzen veranstaltet wurden. 

In Böhmen hatte der Orden damals nur ein einziges Ordensgebäude, und zwar eben in der Prager Altstadt an der Stelle, an der nach alten Überlieferungen  die Leiche des zu Tode gefolterten Jan Nepomuks aufgetaucht war. Der Orden war es auch, der im 17. und 18. Jahrhundert den Kult um Nepomuk besonders entwickelte.  

1729 schließlich wurde Johannes Nepomuk heilig gesprochen, 1743 nahm dann sogar Kaiserin Maria Theresia an den Johannisfeiern teil.  

Nach der Auflösung des Ordens im Zuge der Josephinischen Reformen 1783 wurde auch das Navalis-Fest nur noch einige Male gefeiert. Wieder aufgenommen wurde die Tradition erst wieder Anfang des 19. Jahrhunderts. Einer der Höhepunkte war die 100-Jahr-Feier zur Heiligsprechung Johannes Nepomuks im Jahr 1829. Am 15. Mai 1868 waren die Feiern verbunden mit der Grundsteinlegung zum Nationaltheater. 

Gegenwart

Den Höhepunkt der heutigen Feiern stellt der Vorabend des Tags des heiligen Johannes Nepomuk dar, der bis 1925 im Zivilkalender der Tschechoslowakei als Staatsfeiertag verankert war - also der 15. Mai.

An diesem Tag feiert Kardinal Dominik Duka traditionell eine heilige Messe im Veitsdom. Nach der Messe macht sich eine Prozession auf den Weg von der Prager Burg über die Kleinseite bis zur Karlsbrücke. 

Der liturgische Teil der Feier wird mit dem Wasserfest beendet, das aus einem Reigen von Schiffen und Wasserfahrzeugen auf der der Moldau, einem Barockmusikkonzert und einem Lichtspektakel besteht - und so ein Abbild des ursprünglichen Wassersfestes aus der Barockzeit bildet. (nk)

Autor: Niels Köhler
Bildnachweis:
Navalis.cz
Zuletzt aktualisiert: 2.3.2017
Weitere Infos: www.navalis.cz

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