prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Musik | 8.2.2016
"Nayive": Direktheit des musikalischen Ausdrucks in elf Stücken / Von Michael Magercord

Prag - Iva Bittová ist aus Tschechien geflohen, heißt es. Der Grund: Sie sei zu bekannt, habe keine Ruhe mehr gefunden, um kreativ zu arbeiten. Sie lebt nun im Nordosten der USA. Mitten im Wald, fast wie daheim in Mähren, nur noch einsamer. Und nun, sagte die Sängerin und Geigerin in einem Interview, sehnt sie sich nach Zuhaus. Jedenfalls ab und an. Gibt es ein Zurück? Wer weiß, denn es geschah, was geschehen musste: Kaum, dass die eigenwillige Musikerin Erfolge in Amerika feiert, ist sie nun noch viel bekannter in Tschechien als zuvor.

Konzertreisen führen sie in der nächsten Zeit jedenfalls nach Mexiko, Boston und New York, nicht aber nach Europa. Aber stattdessen gibt es CDs. Mit ihren Einspielungen meldet sich Iva Bittová in wechselnden Formationen regelmäßig bei ihrem Publikum in Europa zurück. Wie zuletzt mit der CD "Nayive" vom Trio Eviyan. Mit zwei amerikanischen Musikern, den Klarinettisten Evan Ziporyn und den Gitarristen Gyan Riley, hat sie elf Stücke eingespielt, mit denen sie beweist, dass Mähren sowieso überall sein kann.

Begonnen hatte die heute 57-Jährige ihre musikalische Karriere mit der Gruppe Dunaj in Brünn. Für ihren damaligen Gitarristen Vladimír Václavek ist sie eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der tschechischen Musik: ”Die Freiheit in ihrer Musik hat mich immer berührt, sie würde niemals ein Lied zweimal auf dieselbe Weise spielen”. Diese Eigenwilligkeit gilt auch für ihren Stil: Jazz, Rock, Folklore, Klassik – irgendwie ist es immer alles und nichts davon. Oder wir ihr heutiger Band-Kollege Evan Ziporyn es ausdrückt: “Ihre Musik ist immer absolut ehrlich”.

Auf der letzten CD, die bei dem neuen und immer noch experimentierfreudigen Prager Label “Animalmusic” erschienen ist, wird diese Direktheit des musikalischen Ausdrucks in elf Stücken dargeboten, die – in ganz unterschiedlichen Tempi und Temperamenten – eines zeigen: die mährischen Wurzeln und die Brünner Anfänge sind nicht zu leugen. Was Wunder, wenn auch die drei gefühligsten Lieder aus der Feder vom Altmeister Vladimír Václavek stammen. 

Und damit nicht genug: schon ist die nächste CD in Arbeit, dieses Mal in klassischer Besetzung: Béla Bartóks slowakische Lieder zusammen mit dem Mucha-Quartet in neuer Form – Amerika mag noch fern sein, Mähren und Umgebung sind es nie. (mm)

 

Eviyan: Nayive

Iva Bittová: Gesang und Geige
Gyan Riley: Gitarre
Evan Ziprayn: Bassklarinette, Klarinette, Klavier

Weitere Infos: www.animalmusic.cz, www.bittova.com
Bildnachweis:
Animalmusic.cz
Themen: Iva Bittová, Musikkritik
hashtags:
#IvaBittová, #Musikkritik

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