www.narodni-divadlo.czwww.narodni-divadlo.cz | Pressemitteilungen | 19.4.2018
Das Nationaltheater Prag, dem die Laterna magika angeschlossen ist, begeht dieses Jubiläum Ende April

Prag - Die Laterna magika, das erste multimediale Theater der Welt, erlebt in diesem Jahr ihr 60. Gründungsjubiläum. Das Theaterwunder, das auf der Weltausstellung Expo 58 in Brüssel entstand, ist eines der Symbole der Poetik und des Erfindungsreichtums des tschechischen Theaterwesens. Das Nationaltheater, dem die Laterna magika angeschlossen ist, begeht dieses Jubiläum Ende April. Die Zuschauer erwarten vom 28. bis 30.4. eine außergewöhnliche Vorstellung und viele Begleitprogramme auf der Neuen Bühne (Nová scéna) des Nationaltheaters. 

5 interessante Fakten zur Laterna magika:

  • 39 Premierenprojekte
  • 107 Auslandstourneen
  • Internationale Ausstellungen: Expo 58 Brüssel, Expo 67 Montreal, Expo 70 Osaka
  • Tourneen führten auch in weit entfernte Länder: Japan, Argentinien, Chile, Brasilien, Kanada, USA…
  • Die meistgespielte Inszenierung in Mitteleuropa war der Zauberhafte Zirkus: 6400 Reprisen in 17 Staaten

Zum Jubiläum und im Laufe des gesamten Jahres 2018 hat die Laterna magika viel vor. Die Zuschauer können sich auf ein Begleitprogramm zu beliebten Vorstellungen freuen, wo auch junge Künstler eingebunden sind, doch es sind auch Zeitzeugen zu erleben, in traditionellen und nicht traditionellen Räumen.

Am ersten Festabend, am 28. April, erwartet das Publikum eine Neuaufführung der legendären Öffnung der Brunnen von Bohuslav Martinů, Alfréd Radok und Zora Šemberová. Wir bereiten eine Videoinstallation vor, inspiriert am Phänomen der Laterna magika, die im Gebäude der Neuen Bühne des Nationaltheaters zu sehen sein wird. Im Mai findet eine weitere Videoinstallation statt, die im öffentlichen Raum des Platzes náměstí Václava Havla an die Laterna magika im Kontext des modernen Theaters erinnert. Das Jubiläumsjahr wird abgeschlossen von der Premiere der neuen Inszenierung "Zahrada" (Der Garten).

Aus der Geschichte der Laterna magika

Die Weltausstellung Expo 58 begann im Mai 1958, die Vorbereitungen der tschechoslowakischen Beteiligung aber nahmen mehrere Jahre Planung in Anspruch. Der Regisseur Alfréd Radok und der Bühnenbildner Josef Svoboda, die in den nächsten Jahren internationales Renommee erlangten, hatten die Aufgabe, eine neue und nicht abgedroschene Präsentation der tschechoslowakischen Kultur zu schaffen – so entstand ein Programm mit dem Namen Laterna magika. Sie schufen eine neue Form des synthetischen Theaters, wobei sie auf originelle Art Filmprojektionen, Bühnenaktion und szenische Technologie verbanden. Aus dem Programm, das ursprünglich zu Werbezwecken dienen sollte, entstanden eine poetische Vorstellung und ein Welthit.

Der Tschechoslowakische Pavillon erlangte damals die höchste Punktanzahl und die Auszeichnung Goldener Stern. In der Zeit, als das Programm auf der Expo aufgeführt wurde, und kurz nach dem Ende der Ausstellung erhielt die Laterna magika Angebote für Gastspiele in der UdSSR, in Syrien, Ägypten, den USA, England, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Spanien und Israel, weitere Länder hatten Interesse an einer Lizenz. Die Laterna magika nahm in Prag am 9. Mai 1959 als experimentelles Ensemble des Nationaltheaters ihre Tätigkeit auf.

Lange Zeit griff die Laterna auf die Form der Revue zurück. Das Brüsseler Programm, erweitert um neue Nummern, wurde einige Zeit später von den Variationen oder Variationen 66 abgelöst, Abenden, die aus Nummern bestanden, von denen einige zum Beispiel auch zehn Jahre lang gespielt wurden. Ein Tänzer, dessen Partnerin auf der Leinwand tanzt, von der ihr Bild in einen Ring springt, den er in der Hand hält und zurück; ein Musiker, der mit fünf weiteren Filmmusikern musiziert, von denen wiederum er selbst jeder ist. Die Nummern, die in ihrer technischen Durchführung überraschten und zudem poetisch waren, haben sich unauslöschlich in das Gedächtnis der Zuschauer eingeprägt.

Im Jahre 1963 spielte sich in der Laterna magika auch der erste politische Skandal ab, als Regisseur Alfréd Radok die Kantate Öffnung der Brunnen von Bohuslav Martinů zusammen mit der Choreographin Zora Šemberová inszenierte (diese Tänzerin war u. a. die erste Darstellerin der Julia in Prokofjews Ballett Romeo und Julia im Jahre 1938 gewesen). Die Öffnung der Brunnen wurde auf der Vorführprobe für den Kulturminister verboten und konnte erst 1966 gespielt werden.

Die Laterna magika bereist die Welt

Die Laterna magika war ständig auf Reisen, es gab eine Zeit, da bestand sie aus vier Ensembles, die gleichzeitig spielen konnten. Lange Tourneen führten sie nicht nur in Länder des Ostblocks, sondern auch nach Deutschland, Frankreich, die skandinavischen Länder, in die arabischen Staaten, nach Israel, Japan, Mexiko, Chile und Argentinien, sondern auch in die Vereinigten Staaten – dort gelangte 1963 eine Nummer der Laterna magika, die Halsbrecherische Fahrt, sogar vor die Kameras der berühmten Ed Sullivan Show. Im Jahre 1967 trat die Laterna magika bei der Expo in Montreal auf, 1970 dann in Osaka.

In der Laterna entstanden aber auch ernstere Vorstellungen. Der bedeutende tschechische Komponist und Regisseur Václav Kašlík schuf dort in einer originellen Regie Hoffmanns Erzählungen, deren Teile mehr als zehn Jahre bei Tourneen sehr populär waren, zum Beispiel in Argentinien. Die ausländischen Besucher bewunderten seine Inszenierung Prager Karneval, die sich an mittelalterlichen Prager Sagen inspirierte. Sie ereilte allerdings ein ähnliches Schicksal wie die Öffnung der Brunnen – innerhalb eines Jahres wurde sie verboten. Im Jahre 1975 lud Professor Svoboda den Regisseur Evald Schorm in die Laterna magika ein, der zuerst eine neue Inszenierung zu den Prager Sagen schuf, vor allem aber stand er an der Spitze des Kreativteams der bekanntesten Vorstellung der Laterna magika, des Zauberhaften Zirkus. Seit 1977 wird er ununterbrochen gespielt, er bereiste 17 Länder der Welt und erlebte über 6.400 Reprisen.

Die Laterna magika entwickelte sich zu einem starken Tanzensemble weiter, für das einheimische Publikum entstanden dort experimentelle Schauspiele. Doch auch die Tourneen gingen rege weiter, am meisten mit der Inszenierung Zauberhafter Zirkus. Im Jahre 1987 konnte die Laterna mit der reich ausgestatteten Inszenierung Odysseus, dem wohl ambitioniertesten ihrer Projekte überhaupt, punkten.

Nach der Wende wurde die Laterna magika für zwanzig Jahre eine eigenständige Organisation, die teilweise aus öffentlichen Mitteln finanziert wurde und die auch weiter ein multimediales Tanztheater produzierte, auch in Koproduktion mit dem Ausland: zum Beispiel die Legende der Argonauten, entstanden anlässlich der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Athen im Jahre 2004 oder die Inszenierung Rendez-vous in Koproduktion mit französischen Künstlern, die in einem zauberhaften Steinbruch in der Provence ihre Premiere feierte. Im Jahre 2010 wurde die Laterna wieder Teil des Nationaltheaters, unter dessen Fittichen sie einst auch entstanden war, und knüpft weiter an die Geschichte des multimedialen poetischen Theaters an.

Die Laterna magika heute

Für ausländische Zuschauer sind vor allem die Inszenierungen Human Locomotion und Cube geeignet, die mit einem dynamischen Lichtdesign, Projektionen, Video-Mapping und modernem Ausdruckstanz arbeiten. Einen Querschnitt durch die Prinzipien der Laterna magika bietet die Inszenierung Cocktail 012 – The Best of, die nicht nur eine Rekonstruktion jener berühmten Halsbrecherischen Fahrt, sondern auch die beliebtesten Tanznummern aus dem neuesten Repertoire der Laterna magika enthält. Und im Repertoire findet sich auch weiterhin der Fixstern Zauberhafter Zirkus. In den 41 Jahren seiner Existenz haben sich allein in den 4 Hauptrollen ganze 102 Solotänzer abgewechselt!

Mehr unter https://www.narodni-divadlo.cz/en/laterna-magika

Autor:
Pressemitteilung der Laterna magika vom 19.4.2018
Bildnachweis:
Laterna magika - Expo 58: Sylva Daníčková und Jiří Šlitr

Auch interessant

Volltextsuche