Prag - Wenn auf der Schneekoppe der erste Schnee liegt, zieht es viele Prager in Tschechiens höchstes Gebirge. Zwischen Piste, Kammweg und Baude lohnt ein Blick auf Regeln, Wetter und die eigene Ausrüstung.
Kaum ist der Oktober vorbei, beginnt in vielen Prager Büros das große Planen. Sobald die Wetterdienste für die Kammlagen die ersten Schneefälle melden, füllen sich die Gruppenchats mit Fragen nach Hütten, Liftpreisen und Fahrgemeinschaften. Das Riesengebirge, auf Tschechisch Krkonoše, liegt gut zwei Autostunden von der Hauptstadt entfernt und ist damit für viele das naheliegendste Winterziel. Orte wie Špindlerův Mlýn (Spindlermühle), Pec pod Sněžkou oder Harrachov bieten präparierte Pisten, Langlaufloipen und Rodelbahnen, oft mit Blick auf die gut 1.600 Meter hohe Schneekoppe. Die Saison dauert in guten Jahren von Mitte Dezember bis in den März hinein, auf den Kämmen hält sich der Schnee häufig noch deutlich länger.
Ein Nationalpark mit eigenen Regeln
Was manche Tagesgäste nicht wissen: Ein großer Teil des Gebirges steht seit 1963 als Nationalpark unter Schutz, als ältester des Landes. Auf den Kämmen wächst eine Vegetation, die eher an die skandinavische Tundra erinnert als an Mitteleuropa, und entsprechend streng sind die Vorgaben. In den Kernzonen gilt ein Wegegebot, Skitouren und Schneeschuhwanderungen abseits ausgewiesener Strecken sind dort nicht gestattet. Wer sich vorab über Ruhezonen, Sperrungen und Wintertrassen informieren möchte, findet in den deutschsprachigen Besucherinformationen der Nationalparkverwaltung in Vrchlabí einen guten Überblick.
Im Winter markieren hohe Holzstangen den Verlauf der Kammwege. Das hat seinen Grund, denn bei Nebel oder Schneetreiben verschwimmen auf den baumlosen Hochflächen schnell alle Konturen, und die Orientierung geht binnen Minuten verloren. Die Bergwacht (Horská služba) ist rund um die Uhr unter der Nummer +420 1210 erreichbar. Touren auf den Kamm sollten nur bei stabiler Wetterlage angegangen werden, und ein Blick auf die aktuelle Lawinenwarnung gehört dazu. Rund 50 Lawinenbahnen sind im tschechischen Teil des Gebirges verzeichnet, vor allem in steilen Gletscherkaren wie dem Riesengrund (Obří důl).
Sonne, Schnee und empfindliche Augen
Unterschätzt wird an klaren Tagen die Kraft der Wintersonne. Frisch gefallener Schnee reflektiert nach Angaben des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz bis zu 90 Prozent der UV-Strahlung, auf den offenen Kammlagen oberhalb der Baumgrenze trifft sie die Augen also gleich von zwei Seiten. Eine Entzündung von Binde- oder Hornhaut, landläufig Schneeblindheit genannt, macht sich oft erst Stunden später mit Brennen und Fremdkörpergefühl bemerkbar. Die Behörde empfiehlt in ihren Hinweisen zum UV-Schutz für die Augen Gläser mit der Kennzeichnung UV 400 und einen ausgeprägten Seitenschutz, bei extremen Bedingungen auf Schnee sogar Tönungsstufe 4, die allerdings beim Autofahren zurück nach Prag nicht getragen werden darf. Wer im Alltag auf eine Brille angewiesen ist, kann sich vor der Reise etwa beim Optiker eyes and more nach Sonnen- oder Sportbrillen mit Sehstärke erkundigen, denn eine Skibrille über der normalen Brille beschlägt schnell und sitzt selten bequem.
Anreise und Unterkunft
Wer nicht selbst fahren möchte, erreicht die größeren Wintersportorte auch mit dem Bus aus Prag. An Wochenenden empfiehlt sich eine frühzeitige Reservierung, denn gerade freitags und sonntags sind die Verbindungen gut ausgelastet. Autofahrer sollten wissen, dass die Parkplätze in Pec pod Sněžkou und Špindlerův Mlýn in der Hochsaison oft schon am Vormittag belegt sind. Winterreifen sind in Tschechien bei winterlichen Straßenverhältnissen ohnehin Pflicht, und auf den Zufahrtsstraßen in die Bergtäler empfiehlt es sich, Schneeketten im Kofferraum zu haben.
Eine Besonderheit des Riesengebirges sind die Bauden, alte Berggasthäuser, die teils seit Jahrhunderten auf den Kämmen und Hängen stehen. Viele davon sind im Winter nur zu Fuß, mit Skiern oder per Motorschlitten erreichbar, was den Aufenthalt zu einem kleinen Abenteuer macht. Die bekannteste ist wohl die Wiesenbaude (Luční bouda) am Fuß des Brunnbergs, die als eine der ältesten und größten Berghütten Mitteleuropas gilt und bei Kammwanderern seit jeher als Wärmestube dient. Wer über Nacht bleiben möchte, findet eine Auswahl an Unterkünften und Notfallkontakten im Riesengebirge im Katalog unseres Magazins, darunter familiengerechte Häuser direkt im Nationalpark. Für die Feiertage um Weihnachten und Silvester sind die beliebtesten Bauden allerdings meist schon im Herbst ausgebucht.
Wer die Möglichkeit hat, unter der Woche zu fahren, erlebt das Gebirge von seiner stillen Seite. Dann ziehen auf dem Kamm oft nur ein paar Langläufer ihre Spur zwischen den Stangen, über dem Elbgrund hängt der Nebel, und in der Gaststube der Baude dampft der Grog, während draußen der Wind den Schnee über die Hochfläche treibt. (dap)





















