
Halbfinale: Frankreich – Spanien 0:2
Na so was, ich begebe mich zwecks halb-life-Erlebnis in dieselbe Kneipe wie beim England-Norwegen-Duell (angeschossenes Kabel mit scorer-Punkt), diesmal ist die Zuschauerzahl allerdings sehr übersichtlich. 21h ist halt doch zu früh und wochentags eh ungünstig für diesen Ort, der erst ab Mitternacht auflebt. (Mit diesen Anstoßzeiten kann man es auch wirklich niemandem Recht machen. Ich finde sowieso, dass Weh Emms in Übersee verboten werden sollten.) Immerhin sind eine Französin sowie deren Nachbarin, die sich später als Slowakin (ursprünglich Tschechoslowakin) herausstellt, anwesend, die mitfiebern und Partei ergreifen. (Ist Fußball jetzt ein Frauensport geworden?) Also, allez les bleus!
Wer trifft gegen Spanien?
Die werden, was die Großwetterlage betrifft, als Favorit gehandelt, was ihr Trainer D. Deschamps aber auf den Gegner abschiebt, immerhin amtierender Europameister mit nur einem Gegentor im gesamten Turnier, nach einer wunderschönen Kombination Belgiens (Ketelaere, wenn ich mich nicht irre, der an einer Flanke einfach schneller dran ist als sein Gegenspieler und einköpft). Ja, Spanien spielt bisher keinen berauschenden Fußball, jedoch einen höchst erfolgreichen. So auch gegen den Favoriten. Nach etwa zehn Minuten wird es im weiten Rund der Kneipe noch stiller als es eh schon war, der französische Linksverteidiger, nach dessen Namen ich das ganze Spiel vergeblich Ausschau halte, verursacht fahrlässigst einen Strafstoß an Yamal – und das ging so.
Geht Spanien ein Mal in Führung...
Spanien kommt über seine linke Angriffsseite und schlägt einen weiten Ball, der eigentlich in der ungefährlichen Zone knapp vor der Sechzehnmeterlinie im nun wirklich völlig freien Raum aufspringt. Der Franzose geht dem Ball nicht entgegen, sondern will ihn sich mit dem Kopf schön vorlegen (Richtung eigenes Tor!), um ihn dann formvollendet aus der Drehung als Halbvolley nach vorne zu schlagen. Doch so viel Zeit hast du in einem Weh Emm-Halbfinale einfach nicht! L. Yamal, der sich weit an der Außenlinie versteckt hat, stürmt plötzlich aus dem Rücken des Verteidigers heran, springt in den Ball, nimmt ihn mit irgendeinem erlaubten Körperteil mit und der Verteidiger tritt ihn in seiner vorbildlichen Drehbewegung in den Oberschenkel. Der Schiedsrichter deutet sofort auf den Punkt. Der VAR macht dann zwar noch seinen Hokuspokus, doch Oyarzabal (bin mir bei der Schreibweise nicht ganz sicher, ach herrje, warum hat der nicht einen gewöhnlichen Namen wie etwa Sanchez oder Goicochea), der schon ein paar Tore bei dieser Weh Emm geschossen hat, lässt sich durch nichts beirren.
Eiskalt beim Elfmeter
Er verfällt nicht in den Fehler vieler, in den Trippelschritt, versucht auch nicht anderweitig zu verzögern und den Torwart auszugucken, sondern knallt das Spielgerät halbhoch ins linke Eck (vom Torwart aus gesehen), also, für uns ins rechte. Der Torwart ahnt das und springt schön, hat aber natürlich keine Chance. Wir trösten, ach es sind ja noch 90 Minuten, denn nach der Weisheit des Altvorderen S. (eigentlich J.) Herberger, Weltmeister von 1954 als Trainer (siehe: das Ende des ungarischen Wunderteams) dauert ein Spiel 100 Minuten und die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht (außer bei der Weh Emm 2026, wenn VARgentinien spielt).
Spaniens reformierter Tiki Taka
Anschließend passiert auf dem Rasen scheinbar lange Zeit nichts, was aber natürlich nicht stimmt, denn Spanien monopolisiert wieder den Ball. In Deutschland kennt man das von den Halbfinalniederlagen 2008 (Eh Emm) und 2010 (Weh Emm), jeweils 0:1. Du musst rackern wie blöde, um endlich mal an den Ball zu kommen, dann sucht du deine Position für den eigenen Spielaufbau - oft geht der Ball dabei wieder flöten -, und schaffst es alle zehn Minuten mal, in die gefährliche Zone zu kommen, in der ein Massenauflauf dann die Luft zum Atmen nimmt. Damals hieß es Tiki Taka, das Spiel der 1000 Kurzpässe, inszeniert von Xavi Hernandez und Andres Iniesta, dem besten Fußballer der Welt 2010, der leider bei den entsprechenden Wahlen an der Messi-Lobby nicht vorbeikam.
Heute läuft das im Mittelfeld ein wenig anders, die Pässe sind länger geworden, dafür die Ballbesitzphasen kürzer und das Spiel zielstrebiger, aber alles in allem können die Spanier immer noch, wenn sie das wollen, das Spiel so aufziehen, dass der Gegner einfach nicht an den Ball kommt. Und das machen sie in der zweiten Hälfte, nach gefühlt dreißig Pässen, in denen sie das Spiel von hinten nach vorne, von links nach rechts und wieder zurück tragen, ist der Weg frei und ein Spanier frei vor dem Tor, zweinull.
Blankes Entsetzen weltweit
Selbst in der kleinen Kneipe bei mir im Viertel und der niedrigen Besucherzahl kann man das Entsetzen spüren, das sich weltweit breit macht. Viele ahnen es, hier wird kein Wunder mehr passieren, Spanien entzaubert Frankreich und zieht nach 16 Jahren wieder in ein Weh Emm-Endspiel ein. Das taten sie seinerzeit ebenfalls als amtierender Europameister.
Der Barmann liefert mir eine steile These zu den Gründen und Ursachen der Niederlage. Schuld war das frühe Ausscheiden des französischen Verteidigers Saliba, der sich nach einer halben Stunde mal einfach auf den Rasen setzte und auswechseln ließ. Das habe die Mannschaft im Spiel nach vorne verunsichert. Dieser Saliba spiele für seinen Lieblingsverein Arsenal London und verteidige dort alles weg. So weit kann ich dem Barmann noch folgen, verstehe aber nicht, inwieweit das Spiel nach vorne darunter gelitten haben soll.
Egal, Mbappé hat ja noch ein Spiel, des kleine Finale, um wieder Torschützenkönig der Weh Emm zu werden; das zwei Mal hintereinander zu schaffen, ist meines Wissens bisher niemandem gelungen. Das wäre doch auch ein schöner Trost.
Selbst wenn das nicht gelingt, hat er ja noch ein, zwei Turniere, um in der Gesamtzahl an Messi vorbeizuziehen, argumentiere ich, stoße mit dieser These bei der Nachbarin der Französin, die sich mittlerweile als sportverrückte Slowakin (zumindest was den Fernsehkonsum betrifft) entpuppt, auf heftigen Widerstand. Sie will wissen, dass Mbappé in Madrid isoliert sei, es ihm dort keinen Spaß mache und er bald seine Zelte in der MSL in Trumpistan aufschlagen werde, er werde seine Karriere bei der französischen Nationalmannschaft beenden, weil dann jüngere Spieler kämen und ihn verdrängen würden.
Interessante Thesen sind das, von denen ich allerdings nicht weiß, wie haltbar sie sind (in der Argumentationstechnik ist „haltbar“ dasselbe wie „unhaltbar“ bei einem Elfmeter), auch ihre Thesen zu A. Merkel (ehemalige Spitzenpolitikerin in Deutschland, besuchte 2014 nach dem Weh Emm-Sieg einfach als vollbekleidete Frau die Kabine der Mannschaft) deuteten mir auf eine gewisse denkerische Hast und zu große Involviertheit von deduktionsfernen Elementen bei den Schlussfolgerungen hin.
Lässt die FIFA dem Spiel nun freien Lauf?
Nun, meine These, die ich vor dem zweiten Halbfinale zwischen VARgentinien und England dagegenhalte: Prämisse 1: Die FIFA war, ist und wird immer korrupt sein. Das kann als äußert gesichert angesehen werden. Prämisse 2: Es gibt ein Idealszenario, ausgearbeitet von einer Marketingfirma. Meine These: Dieses Szenario ist mit dem Halbfinale erfüllt, in dem die vier besten Mannschaften der Weltrangliste stehen. Jetzt ist den Schiedsrichtern, Trainern und Spielern freie Hand gegeben, am Ende darf der Sport wieder ran und der Beste möge gewinnen, um wenigstens noch einen Hauch Glaubwürdigeit zu retten. Also wird meiner Meinung nach England VARgentinien schlagen, da die Ansammlung von durchschnittlichen Spitzenspielern der englischen Bundesliga sowie die beiden Stars H. Kane und J. Bellingham, die beide ihre Brötchen im Ausland verdienen, mit L. Messi, dem Habgierigen, kurzen Prozess machen werden. Was zu beweisen sein wird.
Schau'n mer mal, wie der Kaiser (Weltmeister als Spieler und Trainer, zusätzlich auch Vize-Weltmeister als Spieler und Trainer) zu sagen pflegte.