Der Autor

Fragen an Konstantin Kowalewski:

  • Wie alt möchtest du werden? - So alt, wie ich noch selbstständig denken, fühlen und handeln kann.
  • Wie möchtest du sterben? - Wenn ich mit mir und der Welt im Reinen bin!
  • Worüber kannst du lachen? - Über das Duo Urban Priol und Georg Schramm (Deutsche Polit-Kabarettisten).
  • Welchen Traum möchtest du dir erfüllen? - Lebe deinen Traum! Träume nicht dein Leben!
  • Wie viel Geld möchtest du besitzen? - Soviel, dass ich ein normales Leben führen kann.
  • Ein Jahr auf einer Insel: Welche 3 Bücher nimmst du mit? - Saint-Exupérys: "Le Petit Prince", Sartres: "Le Mur" und mein Tagebuch.
  • Zum Kontaktformular (Wegen DSGVO und Upload-Filter geschlossen.)

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Blog

| Konstantin Kowalewski | Rubrik: Unternehmen | 27.5.2018

Wegen DSGVO: Seznam.cz schließt seinen Dienst Spolužáci.cz

Noch Anfang 2018 nutzten 20.000 User täglich den Dienst - Nun wurde er eingestellt
  • Wer sich bei Spolužáci.cz einloggt, kann noch bis August seine alten Daten herunterladen. Dann ist endgültig Schluss!

Bereits Wochen vor dem Inkrafttreten der DSGVO ging durch das tschechische, aber auch deutsche Internet eine Welle der Webseitenschließungen durch. Nun hat es den Dienst Spolužáci.cz, der zu einem der letzten unabhängigen Suchmaschinenbetreiber, nämlich seznam.cz, gehörte, ebenfalls getroffen. Seit Freitag steht auf der Seite der Hinweis:

„Spolužáci.cz wird eingestellt
Es tut uns leid, aber der Service Spolužáci.cz wurde eingestellt. Alle Fotos und Dokumente aus Ihrer Klasse können noch bis zum 31. August 2018 heruntergeladen werden, […].“


Spolužáci bedeutet frei übersetzt so viel wie Klassenkamerad, denn Spolužáci.cz war vor allem ein Dienst für Schüler und Studenten, ähnlich wie in Polen nk.pl oder der in Deutschland bekannte Dienst: stayfriends.de.

Wie auf der Seite des Médiářs zu lesen ist, erklärte die Produktleiterin des gemeinnützigen Seznam-Dienstes, Veronika Prokopová, gegenüber dem selbigen Online-Magazin: „Der Rückgang der Neuanmeldungen begann im Jahr 2015. Obwohl der Dienst zunächst vor allem von Schülern und Studenten genutzt wurde, verwendeten immer mehr Absolventen den Dienst, um gegenseitige Kontakte aufrecht zu erhalten.“ Damit war Spolužáci.cz 14 Jahre lang eine Art tschechische Alternative zum von T-Online (powered by T-Online) unterstützten Dienst stayfriends.com oder zum Internet-Giganten Facebook.

Foto: KK
Nach 14 Jahren Online-Betrieb verabschiedet sich die Produktleiterin Veronika Prokopová von ihren Usern auf der Seite des gemeinnützigen Dienstes.


Während der Dienst Spolužáci.cz also mit sinkenden Nutzerzahlen und den allgemeinen Bedingungen des Marktes ohnehin zu kämpfen hatte, versetzte die DSGVO bzw. GDPR, wie sie hierzulande heißt, dem Unternehmen den Todesstoß, wie aus der Erklärung Veronika Prokopovás gegenüber dem Médiář hervorgeht: "Ab dem 25. Mai gilt die allgemeine [EU-] Datenschutzgrundverordnung. Um die daraus folgenden Änderungen zu implementieren, müssten wir den Dienst von Grund auf überarbeiten. Dies erwies sich als ineffizient und zu teuer, sodass wir zu der Entscheidung kamen, den Dienst einzustellen, um die Energieressourcen der Entwicklung anderer Dienste zu widmen.“

„Es ist traurig,“ erklärte ein Prager Nutzer des ehemaligen Dienstes Spolužáci.cz gegenüber prag aktuell, „wie die EU uns bevormundet.“ Diese Reaktion ist nicht verwunderlich. Schon lange gehört Tschechien zu den EU-Staaten, deren Bevölkerung der EU skeptisch bis feindlich gesonnen gegenübersteht (SZ.de: „Die EU als Diktatur“). Die DSGVO dürfte diese Haltung wohl nur noch weiter in eine negative Richtung beeinflussen.

Weitere Links zum Thema: 

Prag, 27.05.2018

Konstantin John Kowalewski

Update: 29.05.2018

Nach Veröffentlichung des Artikels meldete sich ein tschechischer Übersetzer und Ethnologe aus Prag bei der Redaktion und fügte ihm Gespräch zur Schließung von Spolužáci.cz Folgendes hinzu:

Jindřich H.:"Bei Spolužáci.cz, dem Dienst über den man ehemalige Mitschüler finden konnte, basierte bis zum 25. Mai alles auf Vertrauen. Wir Nutzer vertrauten darauf, dass unsere Daten bei einem nationalen Unternehmen gut aufgehoben waren und dass dort kein Schindluder damit getrieben wurde. Denn schließlich wollten wir nicht über internationale Konzerne wie Facebook unsere Fotos hochladen. Es war ein Dienst von Tschechen für Tschechen. Dieses Vertrauen wurde nun von Brüssel aus durch die DSGVO erschüttert. Einerseits sind wir Nutzer jetzt in die Hände internationaler Konzerne wie Facebook usw. getrieben worden, andererseits weicht dieses Gefühl des Vertrauens nun dem der Angst. Angst vor negativen Konsequenzen, wenn wir unsere Fotos von ehemaligen Klassenkameraden irgendwoanders im Netz hochladen. Denn das ist aufgrund der DSGVO nicht mehr  so einfach möglich. Wie sollen wir jetzt ehemalige Klassenkameraden finden, wenn wir sie zuvor um Erlaubnis bitten müssen? Unser Netzwerk aus alten Schulfreunden wurde von der EU zerschlagen."  

Name des Lesers wurde von der Redaktion geändert.

 

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