prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Wirtschaft | 3. Dezember 2020, 15:21 Uhr
Die Wucht der Coronawelle im Herbst führte erneut in den Lockdown. Durch die bessere Infektionsbilanz dürfen Geschäfte Anfang Dezember wieder öffnen.

Prag - Tschechien gehörte bei der zweiten Coronawelle zur Vorhut in Europa und stand über Wochen bei der 14-Tage-Inzidenz an der Spitze in der Europäischen Union (EU). Das änderte sich in der letzten Novemberwoche dank stetig sinkender Neuinfektionszahlen. 

Die Zahl der an oder mit Covid-19 gestorbenen Menschen überstieg am 28. November die Schwelle von 8.000. Der Reproduktionsfaktor ist auf unter 1 gesunken. Täglich informiert das Gesundheitsministerium über die Entwicklung in einer Übersicht zu den Covid-19-Erkrankungen in Tschechien.

Ausgangssperre und Geschäftsverbote werden aufgehoben

Seit dem 5. Oktober gilt der Notstand, vorerst verlängert bis 12. Dezember. Zunächst stand der gesamte Freizeit-, Sport und Kultursektor still. Bars und Restaurants blieb nur das Take away. Hochschulen und Schulen wurden auf Online-Lehre umgestellt. Seit dem 22. Oktober haben fast alle Einzelhandels- und Dienstleistungsläden zu (Ausnahme Grundbedarf), ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt (Ausnahme Arbeitswege, Spaziergänge und triftige Gänge). Die Industrie unterliegt keinen Einschränkungen. Seit dem 28. Oktober gilt eine nächtliche Ausgangssperre, müssen die wenigen offenen Geschäfte sonntags schließen. Wo es geht, soll im Homeoffice gearbeitet werden. Hotels können nur Dienstreisende aufnehmen oder Quarantänefälle. Masken müssen überall außer zu Hause und im Wald getragen werden.

Neuer Risikoindex zur Steuerung in der Pandemie

Nachdem die steile Infektionskurve auf diese Maßnahmen zu reagieren begann, stellte der neue Gesundheitsminister Jan Blatný Mitte November das Anti-Epidemie-System PES vor. Es reagiert auf einen Risikoindikator, in den vier zentrale Werte der Epidemie eingehen. PES besteht aus fünf Risiko- und Reaktionsstufen und listet die jeweiligen Maßnahmen detailliert auf. Der Indikator muss sich eine Woche stabil zeigen, bevor eine neue Stufe in Betracht kommt. Er ist in der ganzen letzten Novemberwoche auf unter 60 gefallen, was den Übergang von der vierten in die dritte Stufe erlaubt. Am 29. November entschied die Regierung, dass Geschäfte, Restaurants und Dienstleister ab dem 3. Dezember wieder öffnen dürfen - unter Einhaltung strikter Hygienevorschriften (Restaurants sind nur zu 50 Prozent auszulasten, Geschäfte dürfen weiterhin nur einen Kunden pro 15 Quadratmeter zulassen). Auch die nächtliche Ausgangssperre wird aufgehoben.

Um die Erstklässler beim Lese- und Schreiberwerb nicht zu sehr zurückzuwerfen, haben die ersten beiden Schuljahrgänge seit dem 18. November wieder Präsenz- statt Fernunterricht. Es folgten die die Abiturjahrgänge und seit 30. November weitere Grundschulstufen.

Eine nationale Ampel-Karte informiert über das Covid-19-Übertragungsrisiko in den tschechischen Bezirken. Seit Mitte Oktober ist das ganze Land rot. Das bedeutet, es besteht landesweit immer noch eine fortgesetzte gesellschaftliche Übertragung mit vielen Infektionsfällen ohne klare Ansteckungsquelle. Deutschland stuft seit dem 25. September ganz Tschechien als Risikogebiet ein.

Deutsche Firmen verkraften zweite Welle besser

Anders als im Frühjahr, haben die Unternehmen gelernt, sich auf einen Betrieb mit Covid-Maßnahmen einzustellen. Das ergab im November eine Umfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (AHK Tschechien) unter 100 Mitgliedsunternehmen. Während im Mai noch 80 Prozent spürbare bis hohe Einbußen beklagten, sind es aktuell nur etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent). In manchen Branchen wie Automotive, Technologie, Bau oder Logistik überstiegen die Umsätze im September und Oktober sogar die Vorjahresergebnisse. Ein Teil spürt den Personalmangel schon wieder. Für das Gesamtjahr rechnen 68 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatzrückgang. Im Frühjahr waren es noch 92 Prozent. 

Beim ersten Lockdown von Mitte März bis Mai waren das soziale Leben und Teile der Wirtschaft mehrere Wochen zum Erliegen gekommen. Nur Geschäfte und Dienstleister, die den Grundbedarf abdeckten, durften öffnen. Die Industrie war nicht direkt beeinträchtigt, stieß aber auf Absatz- und Nachschubprobleme. Die Automobilhersteller stoppten vorübergehend die Produktion. Inzwischen läuft die Kraftfahrzeugindustrie wieder auf Hochtouren.

BIP fällt 2020 zwischen 6,6 und 7,2 Prozent

Im 3. Quartal hatte die Wirtschaft, besonders die Industrie, die Talsohle hinter sich und arbeitete am Aufstieg. Das Finanzministerium erwartete im September 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um real 6,6 Prozent. Die Tschechische Nationalbank prognostizierte im November ein Minus von 7,2 Prozent. Am stärksten werden die Exporte und die Bruttoanlageinvestitionen einbrechen. Nach fünf Monaten schrittweiser Aufhellung hat sich das Wirtschaftsklima im Oktober gegenüber dem Vormonat bei Verbrauchern, Dienstleistern, Bauwirtschaft und Handel erneut eingetrübt. Die Industrie war durch gute Auslastung optimistischer. 

Haushaltsdefizit wird vervielfacht

Um die Folgen für die Wirtschaft abzufedern, hatte die Zentralbank bereits im Frühjahr den wichtigsten Leitzins (2-Wochen-Repo) in drei Schritten um 200 Basispunkte auf 0,25 Prozent gesenkt. Sie bis Ende November keine weitere Veränderung vor. Die Regierung stellt verschiedene Hilfen zur Verfügung und hat sich in einem Nachtragshaushalt mehr Raum für Verschuldung gegeben. Durch die geringe Staatsschuldenquote (2019: 30,2 Prozent des BIP) hat Tschechien mehr Spielraum als andere Staaten.

Die Ausgangslage auf dem Arbeitsmarkt ist durch den langjährigen Fachkräftemangel geprägt. Auch das Kurzarbeitergeld hilft vorerst, Entlassungen zu verhindern. Die Erwerbslosenrate ist von 2,1 Prozent im April 2020 auf 2,9 Prozent im Oktober gestiegen. (gtai)

© 2020 Germany Trade & Invest, Autor: Miriam Neubert

Rubrik: Panorama | 29. November 2020, 19:02 Uhr

Prag - Am frühen Morgen des 19. November zog ein Bolide (ein sehr heller Meteor) seine Leuchtspur über der Tschechischen Republik. Der Feuerball wurde in vielen Teilen Tschechiens gesehen. In Prag zeichnete eine Kamera des Fachbereichs Atmosphärische Physik der Fakultät für Mathematik und Physik der Karlsuniversität das Schauspiel auf. (nk)

Rubrik: Panorama | 20. November 2020, 17:48 Uhr

Prag - Am 18. November kam es auf der Autobahn D8 in Nordböhmen zu einem tödlichen Verkehrsunfall. Ein Transporter stieß auf der Überholspur frontal mit einem ihm entgegenkommenden falschfahrenden Pkw zusammen.

Medienberichten nach war die 72-jährige Geisterfahrerin auf der Stelle tot, drei weitere Menschen wurden bei der Kollision verletzt. Der Zusammenstoß wurde von der Bordkamera eines nachfolgenden Fahrzeugs gefilmt. (nk)

Rubrik: Panorama | 19. November 2020, 18:07 Uhr

Prag - Am 17. November wurde im Prager Zoo ein Orang-Utan-Baby geboren. 

Nach Angaben von Zoodirektor Miroslav Bobek verlief die Geburt ohne größere Komplikationen, und am Nachmittag begaben sich alle Orang-Utans, einschließlich der 31-jährigen Mutter Mawar, des 19-jährigen Vaters Pagy und des neugeborenen Jungen, in den indonesischen Dschungel-Pavillon. 

Das Junge hat bereits angefangen zu trinken und Mawar kümmert sich den Berichten nach gut um ihr Baby. 

Es ist erst das dritte Mal, das die Sumatra-Orang-Utans im Tiergarten der tschechischen Hauptstadt Nachwuchs bekommen haben. (nk)

prag aktuellprag aktuell | Rubrik: Politik, Panorama | 28. Oktober 2020, 14:06 Uhr
Zahl der Todesfälle und Krankenhauspatienten steigt rasant - 15.663 Neuinfektionen an einem Tag - jeder dritte Test positiv

Prag - In Tschechien brechen die Coronazahlen trotz des schon seit rund zwei Wochen geltenden weitgehenden Lockdowns weiterhin täglich neue Rekorde. 

Am heutigen Staatsfeiertag, dem 28. Oktober, an dem der Gründung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 gedacht wird, meldet das tschechische Gesundheitsministerium für den Vortag insgesamt 15.663 Neuinfektionen - das ist der absolute Höchstwert seit Beginn der Pandemie.

Der Anteil der positiven Tests an der Zahl der gesamten durchgeführten Tests beträgt dabei im Sieben-Tage-Mittel inzwischen 31,76 Prozent. Seine vorläufige Spitze erreichte er dabei am 25. Oktober mit 34,16 Prozent - mehr als jeder Dritte Test ist also positiv. Epidemiologen gehen daher von einem vergleichsweise sehr hohen Durchseuchungsgrad der Bevölkerung mit vielen unerkannten symptomfreien Infizierten aus, die das Virus weiterverbreiten.  

Aktuell sind offiziell mehr als 170.000 Menschen als an Covid-19 erkrankt erfasst. In den meisten Fällen nimmt die Krankheit dabei zwar einen milden Verlauf, doch seit einer Woche sterben täglich auch mehr als hundert Coronakranke in Tschechien. 

Covid-19 inzwischen zweithäufigste Todesursache

Für den gestrigen Dienstag meldet das Gesundheitsministerium bislang 98 Todesfälle, wobei die Zahlen normalerweise mit späteren Aktualisierungen noch steigen. Die bislang höchste Zahl an Coronatoten an einem Tag wurde mit 139 am Montag erreicht. 

Der Präsident der Tschechischen Ärztekammer Milan Kubek wies bereits am Wochenende im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (ČT) darauf hin, dass Covid-19 inzwischen die zweithäufigste Todesursache in der Tschechischen Republik sei. "Wir haben alle Krebsarten zusammen genommen überholt, denn daran sterben pro Tag durchschnittlich 75 Menschen", so Kubek.

Tatsächlich gab es allein in den vergangenen fünf Tagen mit 684 Toten mehr Corona-Todesfälle als in den ersten sieben Monaten der Pandemie zusammen (von 1. März bis 30. September: 674 Todesfälle). Und seit Anfang Oktober stieg die Zahl der Todesopfer auf nunmehr insgesamt 2.547 und hat sich somit innerhalb eines knappen Monats fast vervierfacht.

Auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte nimmt schnell zu. So stieg die Zahl der stationär in Krankenhäusern behandelten Corona-Patienten am Dienstag auf insgesamt 6.191, das sind 578 Patienten mehr als noch am Vortag. 893 Patienten befinden sich davon in einem ernsten Zustand. 

"Kühlwagen mit Leichen" oder kriegt Tschechien doch noch die Kurve?

Der Leiter des Corona-Krisenstabes, Innenminister Jan Hamáček, der selbst an Covid-19 erkrankt und deswegen in häuslicher Isolation ist, bewertet die aktuelle Zahl der Neuinfizierten dennoch vorsichtig optimistisch. "Ich mag Sie überraschen, aber diese 15.000 sind keine schlechte Nachricht, obwohl es ein Rekord ist. Sollte sich die Entwicklung auf diese Weise fortsetzen, was bedeutet, dass die Zahlen immer noch steigen, aber das Tempo dabei abnimmt, dann ist dies der richtige Weg", sagte Hamáček am heutigen Mittwoch in der Rundfunksendung Radiožurnál.

Dem Innenminister wird man dabei nicht unbedingt Zweckoptimismus vorwerfen können. Noch vor gut zwei Wochen hatte der Vorsitzende der tschechischen Sozialdemokraten mit eindringlichen Worten den Ernst der Lage beschrieben: "Wir sind 14 Tage vor dem Kollaps." Ohne eine Verschärfung der Anti-Corona-Maßnahmen würden in Kürze auf den tschechischen Straßen "Kühlwagen mit Leichen" stehen, warnte der Minister damals.

Krankenhäuser am Limit: Gesundheitspersonal wird knapp 

Bei der Beurteilung der Lage des Gesundheitswesens richtete sich der Blick lange vor allem auf die Zahl der freien Bettenkapazitäten. Dass die Patienten jedoch nicht nur Betten benötigen, sondern auch Pflegepersonal, daran erinnerte Anfang der Woche Ärztekammerpräsident Kubek.  

"An einem einzigen Tag sind 184 Ärzte erkrankt und wir haben derzeit über elftausend Pflegekräfte, die sich selbst behandeln. Gleichzeitig rollen Wellen von Patienten in die medizinischen Einrichtungen, von denen ein beträchtlicher Teil in einem ernsten Zustand sein wird", so Kubek, der die Menschen vor diesem Hintergrund dazu aufrief, die Anti-Corona-Maßnahmen einzuhalten und auf diese Weise dazu beizutragen, das Pflegepersonal zu entlasten.

Offizielle Feierlichkeiten und Gala-Abend abgesagt 

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag ist in Tschechien traditionell der Gala-Abend auf der Prager Burg, bei dem der Staatspräsident staatliche Auszeichnungen vergibt. Ursprünglich wollte Präsident Miloš Zeman die Zeremonie trotz der sogar nach Einschätzung des tschechischen Premiers Andrej Babiš "katastrophalen" Coronazahlen beibehalten, konnte aber nach einem Treffen mit Vertretern der tschechischen Regierung schließlich doch noch davon abgebracht werden.

Zwar werden auch dieses Jahr ausgewählte Persönlichkeiten ausgezeichnet, die feierliche Verleihung der Orden soll aber erst am 28. Oktober in einem Jahr erfolgen. Präsident Zeman kündigte an, dass er beispielsweise den vor einem Jahr verstorbenen Karel Gott posthum auszeichnen werde.

Abgesagt wurde auch die Rede des Staatspräsidenten, die die Zeremonie im Vladislav-Saal auf der Prager Burg traditionell begleitet. Stattdessen wird Zeman sich mit einer aufgezeichneten Rede an die (Fernseh-)Nation wenden. Die knapp zehnminütige Ansprache wird heute ab 20.05 Uhr im Tschechischen Fernsehen (ČT) ausgestrahlt. (nk) 

Bildnachweis:
prag aktuell / N. Köhler - Corona-Teststation am Prager Hauptbahnhof

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