Der Autor

Fragen an Konstantin Kowalewski:

  • Wie alt möchtest du werden? - So alt, wie ich noch selbstständig denken, fühlen und handeln kann.
  • Wie möchtest du sterben? - Wenn ich mit mir und der Welt im Reinen bin!
  • Worüber kannst du lachen? - Über das Duo Urban Priol und Georg Schramm (Deutsche Polit-Kabarettisten).
  • Welchen Traum möchtest du dir erfüllen? - Lebe deinen Traum! Träume nicht dein Leben!
  • Wie viel Geld möchtest du besitzen? - Soviel, dass ich ein normales Leben führen kann.
  • Ein Jahr auf einer Insel: Welche 3 Bücher nimmst du mit? - Saint-Exupérys: "Le Petit Prince", Sartres: "Le Mur" und mein Tagebuch.
  • Zum Kontaktformular (Wegen DSGVO und Upload-Filter geschlossen.)

Weitere Einträge

Neue Regel wirft Fragen für deutsche Männer mit längeren Aufenthalten im Ausland auf
Streit um Personalie Turek mobilisiert Zehntausende auf den Altstädter Ring und Wenzelsplatz
Alle Insassen haben mit Verletzungen überlebt. Die Ursache ist noch unklar.
Auch in Tschechien lebende Ausländer mit einem Aufenthaltstitel müssen an der Volkszählung teilnehmen.
Geht man von der Brückengasse über die Karlsbrücke zur Karlsgasse, sieht man immer mehr leergeräumte Schaufenster.
Zdeněk Hřib (Piratenpartei) schloss sein Medizinstudium mit Promotion ab. Nun will er seinem Land helfen, wo es ihn am nötigsten braucht.
Das diesjährige Sommerabschlussfest LetniLetna findet noch bis zum 25.08.2020 statt.
Laut Johns-Hopkins-University verzeichnet das Land am Mittelmeer bislang lediglich 2463 Infizierte und 127 Tote. Eine gesunde Ernährung soll dabei eine erhebliche Rolle spielen.
Vor gut 2 Jahren stürzte die Fußgängerbrücke „Trojská lávka“ in sich zusammen. Nun sind erste Pfeiler gesetzt.
Spiegel Online berichtet über massenweisen Hack, der durch einen Exploit in der Konferenz-App. Zoom durchgeführt wurde.

Blog

| Konstantin Kowalewski | Rubrik: Feuilleton | 7.11.2015

Ein Bond-Girl hat überlebt!

Zum Kinostart des neuen Bond-Films "Spectre" in Prag
  • Daniel Craig - Film Premiere "Spectre" 007 - Auf dem roten Teppich in Berlin (Bildquelle siehe Fußnote)

Ein Vorteil des Expatlebens im Ausland ist, dass man Kinofilme im Originalton sehen kann, ohne Lichtspielhäuser in versteckten Insidervierteln lange suchen zu müssen. Die Kinos an der Umsteigestation Anděl in Prag liegen in einer solch perfekten Lage, sodass man vor dem Film noch eine Kleinigkeit essen gehen und nach dem Film, um kurz nach 1 Uhr, auch zahlreiche Nacht-Trams und Busse problemlos erreichen kann. Für 179 Kronen (ca. 6,63 Euro) unterscheidet sich der Eintrittspreis von Hannoveraner Kinos kaum noch.

Ein lächelnder Bond mit Herz
Der gebürtige Engländer Daniel Craig ist auch im neuen Bond-Film "Spectre" wieder 007. Nichts anderes wäre zu erwarten gewesen. Doch einige Dinge haben sich verändert. Der Agent im Auftrag seiner Majestät hat das Lächeln gelernt. Nicht nur gegenüber Frauen, sondern auch gegenüber seinen Gegnern kann er manchmal komisch rüberkommen, bevor er ihnen anschließend kräftig die Visage poliert. Das macht die Figur Bond menschlicher, nahbarer, ja sogar symphatischer, als in den früheren Bond-Filmen "Skyfall" und "Ein Quantum Trost". Das, was im vorherrschenden Männlichkeitsdenken leicht als Schwäche oder Fehler ausgelegt werden kann, macht den Doppelnull-Agenten realistischer. Er kämpft offensichtlich mit den gleichen Alltagsproblemen wie wir Otto-Normalmänner, wenn ihn manche Barkeeper, wie jener in der Privatklinik in den österreichischen Hochalpen, mit einem lockeren Spruch: "Wir schenken hier keinen Alkohol aus." abblitzen lassen. Ein Bond ohne Martini (weder geschüttelt noch gerührt!).

Das Krankenschwestersyndrom
Das lässt Bond nicht davon abhalten, wieder einmal massenweise Autos, Flugzeuge und ganze Häuserzeilen zu ruinieren. Aber Bond tut es nicht mehr ausschließlich, um die britische Krone vor dem Weltbösewicht - natürlich wieder einmal von einem deutschsprachigen Darsteller gespielt (Das Klischee lässt grüßen.) - zu schützen, sondern er kämpft um eine Frau, die - Überraschung! - das Filmende sogar überleben darf. Es wirkt fast schon komisch, dass sich der Mann, mit den stahlharten Gesichtszügen eines Terminators und dem psychopatischen Blick eines Hannibals aus "Schweigen der Lämmer" in die Psychologin Madeleine Swann, gespielt von Léa Seydoux, verliebt, die ihn zu aller Komik auch noch über seine Kindheit und Eltern ausfragt. (An dieser Stelle sei den LeserInnen zugerufen. Frauen brauchen keine 007-Typen und Männer keine Krankenschwestern! Hört bitte mit diesem Klischeedenken auf!)

Wenn die Realität die Fiktion überbietet
Über allen Beziehungskisten und - wenn auch leicht korrigierten - Klischeebildern hinweg, steht jedoch noch eine Gesamtaussage, die in der Tat jeden Zuschauer nachdenklich stimmen sollte. In einer der Anfangsszenen heißt es bezüglich der weltweiten Überwachungstechniken eines Franz Oberhauser, natürlich gespielt von dem Österreicher Christoph Waltz, dass er Orwells größten Albtraum Wirklichkeit werden lassen könne. Doch es verhält sich anders. George Orwell war - meiner bescheidenen Ansicht nach - ein Optimist! Die allumfassende Überwachung hat bereits eingesetzt und Orwells Schreckensszenario hundertfach überboten und (in der Tat!) werden u. a. deutsche Politiker wie ein Wolfgang Schäuble (Wieso werde ich das Gefühl nicht los, dass er in den nächsten Bond-Film gut passen würde?) nicht müde, mehr Überwachung (Stichwort: Vorratsdatenspeicherung!) für den angeblichen Schutz der Bevölkerung zu fordern.

Die zu Beginn des Films James Bond eingespritzten Nanopartikel, die es erlauben, ihn jederzeit und überall per Satellit weltweit zu orten, sind keine pure Science Fiction mehr. Bereits vor wenigen Jahren forderten "Elternvertreter" die Implantation von RFID-Chips unter die Haut von Neugeborenen, weil angeblich so viele Babys aus Krankenhäusern verschwänden. Von hier aus ist es nur noch eine Sprungmarke zum Missbrauch der Überwachungstechniken durch einen "Franz Oberhauser" entfernt. "Der 60er Jahre Bösewicht Mr. Goldfinger" - gespielt vom deutschen (!) Schauspieler Gert Fröbe - war pure Science Fiction. Die Figur des "Franz Oberhausers" ist bereits bittere Realität.

Bond geht in Rente und gründet mit 47 eine Familie?
Da erscheint es fast schon wie eine politische Forderung, wenn am Ende James Bond auf den finalen Todesschuss zugunsten der Menschlichkeit verzichtet und Oberhauser auf der Themse-Brücke schwer verletzt, aber lebend zurücklässt, anschließend seinen Dienst beim MI6 quittiert und mit einem sportlichen "Aston Martin DB5" aus dem Jahr 1965 und seiner Madeleine auf dem Beifahrersitz in die... Flitterwochen (?) fährt.

Eine Überraschung: Ralph Fiennes als "M"
Filmerisch hat der Regisseur Sam Mendes auf jeden Fall mit der Neubesetzung des Charakters "M" durch Ralph Fiennes einen Clou gelandet. Der aus dem englischen Ipswich stammende Schauspieler ist ein alter Bekannter, der es bereits in dem Film "Brügge sehen und sterben" (engl. Original: "Bruges") schaffte, mit seiner perfekt inszenierten Mimik und dem gepflegten Akzent der englischen Ostküste den Charakter eines skrupellosen Gangsterboss zu spielen. Im Gegensatz zu "Bruges" steht aber Fiennes im neuen Bond-Film auf der Seite des Guten und repräsentiert den Leiter des MI6, was ihn damit zum Vorgesetzten von James Bond macht.

Was bleibt, sind nach wie vor atemberaubend schöne Landschaften und Drehorte wie das marrokanische Tanger, Oujda und Erfoud, durch die Bond und Madeleine in einem orientexpressartigen Zug fahren und sich in einer verlassenen Wüstenlandschaft von einem Chauffeur im Rolls-Royce Phantom III (Baujahr: 1936) abholen lassen. Das wirkt beinahe wie eine Art Anti-Utopie bei all der High-Tech-Satellitenüberwachung.

Fazit: Bestes Popcorn-Kino mit einer Prise Realitätskritik und einem Hauch von Exotik, Abenteuer, Erotik und am Ende einem familiengerechten Bond, James Bond!

Konstantin John Kowalewski, 07.11.2015
Artikellink: http://prag-aktuell.cz/blog/bond-girl-hat-ueberlebt-07112015-13621
 

Auch interessant