Der Autor

Gerd Lemke, Jahrgang 1969, lehrte als Lektor für Germanistik an der Karls-Universität in Prag und lebt dem eigenen Empfinden nach eigentlich schon zu lange in der tschechischen Hauptstadt. Nach einem zweijährigen Auslandsaufenthalt im Kosovo kehrte er dennoch freiwillig zum "Mütterchen mit den Krallen" an die Moldau zurück.

Seinen Geburtstag teilt er mit dem Europameister von 1980, Karl-Heinz Förster. Er ist leidenschaftlicher Literat, glaubt wie Albert Camus, alles im Leben durch das Fußballspiel gelernt zu haben, hat aber im Gegensatz zum großen Existenzialisten nur ein einziges Spiel als Torwart bestritten. Ansonsten tritt er regelmäßig für Partisan Prague gegen das Leder und trifft als stellungssicherer Verteidiger auch schon mal das eine oder andere Schienbein. Für sein Lieblingsteam, die sporadische Zusammenkunft Umělecká Letná, hilft er gerne und treffsicher im Sturm aus.

Im Jahr 2006 hatte er bereits das Sommermärchen in Deutschland und und seit dem alle zwei Jahre die großen Fußballtourniere von Prag aus beobachtet und kommentiert, mit einer täglichen Kolumne für Tschechien Online.

Für prag aktuell ist er bei der Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada wieder hart am Ball, wenn es um Tricks, Täuschungen und Taktik im weiteren Sinn geht: Sportsfreund Gerd Lemke.

Im Internet: FacebookFacebook

Weitere Einträge

Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag
Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Der Rauch und Dampf hat sich über der Fußball WM verzogen, es ist Zeit für ein paar Gedanken und Ansichten von Gerd Lemke
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (15): Gerd Lemke schafft gerade noch das letzte Tor des Turniers
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (14): Gerd Lemke sieht das zweite Halbfinale zu Hause
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (13): Gerd Lemke wagt sich ins öffentliche Schauen
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (12): Gerd Lemke schaut auch nach dem Aus der deutschen Mannschaft weiter Eh-Emm
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (11): Deutlicher geht es nicht mehr, findet Gerd Lemke
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (10): Gerd Lemke schaut den zweiten Teil des Achtelfinales
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (9): Deutschland kommt weiter, Gerd Lemke regt sich aber trotzdem auf
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (8): Ganz großes Kino sieht Gerd Lemke beim Überlebenskampf Tschechiens
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (7): Gerd Lemke liest und schaut Österreich -Niederlande 3:2 sowie Serbien – Dänemark 0:0
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (6): Gerd Lemke freut sich über einen freien Montagnachmittag
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (5): Gerd Lemke sieht erstes Spiel Deutschlands zeitgleich und wünscht Schotttland eine baldige Heimreise
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (4): Von England – Dänemark 1:1 bis Belgien – Rumänien 2:0 verpasst Gerd Lemke nur das Spitzenspiel Frankreich – Niederland 0:0
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (3): Albanien – Kroatien 2:2, Ungarn – Deutschland 0:2, Schottland – Schweiz 1:1 verhackstückt und grundsätzlich auf Ästhetik abgeklopft von Gerd Lemke
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (2): Frankreich – Österreich 1:0, Georgien – Türkei 1:3, Portugal – Tschechien verleiten Gerd Lemke zu grundsätzlichen Gedanken
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (1): Das erste Wochenende der Eh-Em kompakt und den Montag als Bonus dazu
Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (9): Finale
WM-Kolumne aus Prag (8): Bitte nicht das Spiel um Platz drei abschaffen! Das sind die schönsten Momente der WM, findet Gerd Lemke
Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (7): Halbfinale
Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (6): Nach Messis Argentinien schafft auch Mbappés Frankreich den Sprung ins Halbfinale.
Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (5): Messi macht's und Brasilien scheitert an seiner Naivität
Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (4): Achtelfinale: Bis auf Spanien setzen sich alle Favoriten durch. Die wenigen Fußballfans in Deutschland, die noch die WM verfolgen, dürften das mit Genugtuung quittieren.
Gerde Lemkes WM-Kolumne aus Prag (3): Favoritensiege im Achtelfinale, 1. Teil: NL – USA 3:1; ARG – AUS 2:1
Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (2): Dramen des Vorrundenendes
Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag (1): Deutschland scheidet bei der Fußball WM wieder in der Vorrunde aus. Einige aufmunternde Worte zum Abschied.
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (15) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (14) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (13) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (12) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (11) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (10) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (9) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (8) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (7) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (6) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (5) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (4) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (3) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (2) – Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
Gerd Lemkes EM-Kolumne aus Prag (1) - Berichte, Analysen, Einwürfe aus der Hauptstadt des Geheimfavoriten von 2004
WM-Kolumne aus Prag: Halbfinale: Frankreich – Belgien 1:0, England – Kroatien 1:2 n.V., kleines Finale: Belgien – England 2:0, großes Finale: Frankreich – Kroatien 4:2
WM-Kolumne aus Prag: Viertelfinale: Frankreich – Uruguay 2:0, Belgien – Brasilien 2:1, England – Schweden 2:0, Kroatien – Russland 2:2 n.V., 4:3 i.E.
Achtelfinale 3+4: Brasilien – Mexiko 2:0. Belgien – Japan 3:2; Schweden – Schweiz 1:0, England – Kolumbien 1:1 n.V. 4:3 i.E.
Russland – Spanien 1:1 n.V., 4:3 i.E., Kroatien – Dänemark 1:1 n.V., 3:2 i.E.
WM-Kolumne aus Prag: Frankreich – Argentinien 4:3, Uruguay – Portugal 2:1
WM-Kolumne aus Prag: F – DK 0:0, Peru – Australien 2:0, Argentinien – Nigeria 2:1, HR – IS 2:1, D – Südkorea 0:2, S – Mexiko 3:0, Brasilien – SRB 2:0, Costa Rica – CH 2:2, PL – Japan 1:0, Senegal – Kolumbien 0:1, England – BE 0:1, Tunesien – Panama 2:1
WM-Kolumne aus Prag: Russland – Uruguay 0:3, Ägypten – Saudi Arabien 1:2, Spanien – Marokko 2:2, Iran – Portugal 1:1
WM-Kolumne aus Prag: England – Panama 6:1, Japan – Senegal 2:2, Polen – Kolumbien 0:3
WM-Kolumne aus Prag: Belgien – Tunesien 5:2, Südkorea – Mexiko 1:2, Deutschland – Schweden 2:1
WM-Kolumne aus Prag: Dänemark – Australien 1:1, Frankreich – Peru 1:0, Argentinien – Kroatien 0:3
WM-Kolumne aus Prag: Kolumbien – Japan 1:2, Polen – Senegal 1:2, Russland – Ägypten 3:1
WM-Kolumne aus Prag: Schweden – Südkorea 1:0, Belgien – Panama 3:0, England – Tunesien 2:1
WM-Kolumne aus Prag: Serbien – Costa Rica 1:0, Deutschland – Mexiko 0:1, Brasilien – Schweiz 1:1
Frankreich – Portugal 0:1 n.V.
Frankreich – Deutschland 2:0
Portugal – Wales 2:0
Frankreich – Island 5:2
Deutschland – Italien 1:1 n.V., x:x-1 i.E.
Wales – Belgien 3:1
Polen – Portugal 1:1 n.V., 3:5 i. E.
Spanien – Italien 0:2, England – Island 1:2
Frankreich – Irland 2:1, Deutschland – Slowakei 3:0, Ungarn – Belgien 0:4
Polen – Schweiz 1:1 n.V., 5:4 i.E., Wales – Nordirland 1:0, Kroatien – Portugal 0:1 n.V.
Portugal – Ungarn 3:3, Österreich – Island 1:2, Irland – Italien 1:0, Schweden – Belgien 0:1
Deutschland – Nordirland 1:0, Polen – Ukraine 1:0, Tschechien – Türkei 0:2, Spanien – Kroatien beim Stande von 1:2 nicht weiter verfolgt
England – Slowakei 0:0, Russland – Wales 0:3
Albanien – Rumänien 1:0, Frankreich – Schweiz 0:0
Schweden – Italien 0:1, Tschechien – Kroatien 2:2, Spanien – Türkei 3:0 | Irland – Belgien 0:3, Ungarn – Island 1:1, Österreich – Portugal 0:0
England – Wales 2:1, Nordirland – Ukraine 2:0, Deutschland – Polen 0:0
Slowakei – Russland 2:1, Rumänien – Schweiz 1:1, Frankreich – Albanien 2:0
Österreich – Ungarn 2:0, Portugal – Island 1:1
Spanien – Tschechien 1:0, Irland – Schweden 1:1, Italien – Belgien 2:0.
Kroatien – Türkei 1:0, Nordirland – Polen 0:1, Deutschland – Ukraine 2:0
Albanien – Schweiz 0:1 (reimt sich sogar), Wales – Slowakei 2:1 und England – Russland 1:1. Alle gesehen von Gerd Lemke.
France – Romania 2:1
Tag 25: Finale: Deutschland – Argentinien 1:0 n.V.
Tag 24: Kleines Finale: Holland – Brasilien 3:0
Tag 23: Halbfinale: Argentinien – Holland 4:2 i. E.
Tag 22: Halbfinale: Brasilien – Deutschland 1:7
Tag 21: Viertelfinale: Argentinien – Belgien 1:0, Holland – Costa Rica 4:2 i. E.
Tag 20: Viertelfinale: Deutschland – Frankreich 1:0, Brasilien – Kolumbien 2:1
Tag 19: Achtelfinale: Argentinien – Schweiz 1:0 n.V., Belgien – USA 2:1 n.V.
Tag 18: Achtelfinale: Frankreich – Nigeria 2:0, Deutschland – Algerien 2:1 n. V.
Tag 17: Achtelfinale: Holland – Mexiko 2:1, Costa Rica – Griechenland 6:4 i. E.
Tag 16: Achtelfinale: Brasilien – Chile 4:3 i.E., Kolumbien – Uruguay 2:0
Tag 15: Deutschland – USA 1:0, Portugal – Ghana 2:1, Algerien – Russland 1:1, Belgien – Südkorea 1:0
Tag 14: Argentinien – Nigeria 3:2, Bosnien und Herzegowina – Japan 3:1, Frankreich – Ecuador 0:0, Schweiz – Honduras 3:0
Tag 13: Uruguay – Italien 1:0, Costa Rica – England 0:0, Griechenland – Elfenbeinküste 2:1, Kolumbien – Japan 4:1
Tag 12: Holland – Chile 2:0, Spanien – Australien 3:0, Mexiko – Kroatien 3:1, Brasilien – Kamerun 4:1
Tag 11: Belgien – Russland 1:0, Algerien – Südkorea 4:2, USA – Portugal unentschieden
Tag 10: Argentinien – Iran 1:0, Ghana – Deutschland 2:2, Nigeria – Bosnien und Herzegowina 1:0
Tag 9: Costa Rica – Italien 1:0, Frankreich – Schweiz 6 (oder waren es doch nur 5?) :2, Ecuador – Honduras 2:1
Tag 8: Kolumbien – Elfenbeinküste 2:1, Uruguay – England 2:1, Griechenland – Japan 0:0
Tag 7: Holland – Australien 3:2, Chile – Spanien 2:0, Kroatien – Kamerun 4:0
Tag 6: Belgien – Algerien 2:1, Brasilien – Mexiko 0:0, Russland – Südkorea 1:1
Tag 5: Deutschland – Portugal 4:0, Nigeria – Iran 0:0, USA – Ghana 2:1
Tag 4: Schweiz – Ecuador 2:1, Frankreich – Honduras 3:0, Argentinien – Bosnien und Herzegowina 2:1
Tag 3: Kolumbien – Griechenland 3:0, Costa Rica – Uruguay 3:1, Italien – England 2:1, Elfenbeinküste – Japan 2:1
Tag 2: Mexiko – Kamerun 1:0, Holland – Spanien 5:1, Chile – Australien 3:1
Tag 1: Brasilien – Kroatien 3:1
Gerd Lemkes WM-Tagebuch: Viertelfinale England - Portugal, Frankreich - Brasilien

Blog

| Gerd Lemke | Rubrik: Sport, Fußball | 25.6.2026

Tschechien schon raus

Fußball WM 2026 in Nord-Amerika: Gerd Lemkes WM-Kolumne aus Prag

 

Erwähnte Spiele: Mexiko – Tschechien 3:0, Haiti – Marokko 2:4, Algerien – Jordanien 2:1, Portugal – Usbekistan 5:0, Brasilien – Schottland 3:0, England – Ghana 0:0

Kaum hat man sich an all die Nationen gewöhnt, fahren die ersten auch schon heim. Mir ist es vor allem bei Jordanien so gegangen, ach, sind die auch dabei?, war der Effekt. Na ja, sind auch viele diesmal… Ist halt Amerika, ich meine, Nord-Amerika, da gibt es alles in over-size, sonst wird das erst gar nicht wahrgenommen. Tja, Jordanien, ich habe mal im Flughafen von Budapest eine Jordanierin getroffen, mit der ich gleich ins Gespräch gekommen bin. Das war auch kein Wunder, denn wir waren die einzigen, die sich für einen Anschlussflug auf dem falschen gate eingefunden hatten. So etwas schweißt zusammen. Bei Algerien wiederum fällt mir unweigerlich Albert Camus ein, dessen Biographie ich im letzten Sommer durchgeackert habe (1050 Seiten auf Französisch), der war auch ein großer Fußballfan. Jordanien und Algerien haben ja noch einen Auftritt, Tschechien jedoch nicht mehr.

Jemand schaut nachts zu

Ist egal, das sieht eh keiner, denke ich mir noch, bei der Anstoßzeit (3h MESZ), das ist selbst für die penetrantesten Frühaufsteher im Land zu zeitig. Und Karel Poborský, der Lupffuß der Silber-EM 1996, hat die Mannschaft als langweiligste des Turniers abqualifiziert, das weckt nun auch nicht gerade großes Interesse. Was erfahre ich am Morgen danach? Meine erste Kundin bekennt sich dazu, die zweite Halbzeit, die schlechtere, gesehen zu haben. Sie sei von selbst aufgewacht und habe sich dann vor den Fernseher gesetzt, behauptet sie. Wäre sie doch mal lieber liegen geblieben, vielleicht wäre der Schlaf ja wieder gekommen. Ganze Horden von Männern hätten nachts in Restaurants ausgeharrt, um dem Sterben der letzten Hoffnung beizuwohnen. Wo sie die wohl gefunden hat? Nun ja, der Fußball war genau so schlecht wie befürchtet, berichtet mein zweiter Kunde, der eigens dafür aufgestanden ist. Nun freut er sich auf bessere Spiele und tippt auf Frankreich als Weltmeister.

Wird Frankreich taktieren?

Ich bin dagegen. Denn die spielen doch im Achtelfinale wahrscheinlich gegen Deutschland, wenn beide weiterkommen. Ja nun, habe ich tags zuvor von einem Franzosen erfahren, im Land berät man noch, ob es besser ist, Gruppenerster zu bleiben oder zweiter zu werden, um das zu vermeiden. Ist das denn überhaupt möglich? Mit meinem zweiten Kunden, nicht dem Franzosen, studiere ich den Spielplan. Norwegen gegen Frankreich, so lautet das letzte Gruppenspiel. Na ja, gegen Haaland kann man schon mal verlieren, wenn es um nicht mehr so viel geht. Das würde nicht gleich eine Staatskrise auslösen – wobei man sich natürlich auch fragen könnte, ob das in Frankreich überhaupt noch jemandem auffällt.

Scheiß-Brasilien

Mein Abend beginnt aber ganz anders, denn ich suche eine Möglichkeit, das Brasilien-Spiel zu sehen. Egal, was ich versuche, die Fernsehsender präsentieren nur das Parallelspiel (letzte Gruppenspiele, Wettbewerbsverzerrung und so) Haiti gegen Marokko. Scheiß Brasilien maule ich herum eingedenk der deutschen Fans auf der Berliner Fanmeile nach dem WM-Finale 2002. Die skandierten damals auch noch so schön: „Es gibt nur einen Scheiß-Ronaldo“ in einer eingängigen Melodie, die Fußballfans bereits in der Wiege einsaugen. Tja, damals war das noch der letzte Stand des Fußball-Defätismus. Heute müsste man denn singen: „Es gibt zwei Scheiß-Ronaldos!“, was dann leider nicht mehr so eingängig klingt.

CR7 ist ältester Doppelpacker bei einer WM

Der zweite Scheiß Ronaldo, mit Vornamen CR7 – klingt ein bisschen wie ein Computerprogramm – hat nach Ewigkeiten für seine Farben Grün-Rot wieder ein WM-Tor geschossen. Zu diesem Ereignis verirre ich mich ins deutsche Fernsehen und bekomme die Lösung des Rätsels nach der Motivation des Spielers C. Ronaldo präsentiert. Nein, es ist nicht der Ehrgeiz, nach der ersten mit Fußball verdienten Milliarde noch eine mehr zu scheffeln. Das kann den C. Ronaldo nicht reizen. Es ist auch nicht die Befriedigung einer Aufmerksamkeitssucht. Das treibt ja manchmal erstaunliche (Stil-)Blüten. So redete der frühere Fußballstar Z. Ibrahimovic von sich selbst nur in der dritten Person. Ich meine, ich habe das bei C. Ronaldo auch schon mal gehört. Nein, das Geheimnis liegt ganz woanders. Es liegt darin, in immer neuen Statistiken geführt zu werden! C. Ronaldo will sein zweites Tor in diesem Spiel nur deshalb, um endlich der älteste Spieler zu sein, dem bei einem WM-Spiel ein Doppelpack gelingt! So sieht es nämlich aus, denn das sind Eintragungen für die Ewigkeit!

Halbzeitshow aus der siebten Klasse

In der Halbzeitpause bleibe ich noch etwas beim deutschen Fernsehen hängen und erlebe, wie die Moderatorin auf dem Niveau von Bravo-Girl (gibt’s die frühere Institution zur Lösung von Pubertätsproblemen eigentlich noch?) ihren Gesprächspartner Robin Goosens, ehemaliger Nationalspieler und auch Gegenspieler von C. Ronaldo, zu einem Fan-Boy degradiert. „Oh, wie war das denn damals in der Kabine, hast du auch das Trikot bekommen? Wo hängt das denn jetzt bei dir? Erzähl doch, wie fühlen sich denn die Schweißtropfen von ihm an, wenn man hinter ihm herhechelt? Und hat er dir auch auf die Fußballschuhe gerotzt? Das hast du doch dann nicht etwa abgewischt?“ – Uff, ist das wirklich das, was der deutsche Fernsehzuschauer (generischer Maskulin, ätsch) in der Halbzeitpause hören möchte?

Statt mal wieder die alte Geschichte auszupacken, was eigentlich mit der Strafuntersuchung im Fall der Vergewaltigung vor rund 20 Jahren in Las Vegas geworden ist? Die Anwälte haben das ja mehr oder weniger klar zugegeben und dem Opfer mit Schweigegeld den Mund gestopft. Sie hat das genommen, doch Jahre später festgestellt, dass es zu wenig für den erlittenen seelischen Schaden war. C. Ronaldo habe ja auch nicht die anatomische dafür vorgesehene Körperöffnung missbraucht, sondern habe knapp daneben getroffen, was ihm beim Torschuss auch schon mal passiert. (Ist das nicht in einigen US-Staaten verboten und wird mit Penisamputation bestraft? Andererseits ereignete sich der Vorfall in Las Vegas, der Bundesstaat Nevada ist doch eher liberal, was solche Dinge betrifft.)

Der Fall wurde Jahre später wieder aufgerollt, doch die Anklageschrift konnte dem Übeltäter nie zugestellt werden, da die Briefträger im Raum Turin partout nicht in Erfahrung bringen konnten, in welcher Villa über der Stadt dieser denn jetzt residiert. Das war zu der Zeit, als C. Ronaldo seinen früheren Arbeitgeber in Madrid in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gen Italien verlassen hatte, weil ihm Ungemach der spanischen Steuerbehörden drohte. Es gibt eben nicht nur einen Scheiß-Ronaldo.

Nachwuchsförderung bei der ARD

Ne, stattdessen kichert die Moderatorin über ihrem Schwangerschaftsbauch durch die Lobhuldigungen und Fanverehrung. Goosens, einer der letzten Fußballer, der noch selbständig denken kann, da er nicht in einem Leistungszentrum ausgebildet worden ist, macht gute Miene zum albernen Spiel und ich beschließe, in der zweiten Hälfte lieber einkaufen zu gehen. Wozu sich Portugal gegen Usbekistan anschauen, eine Mannschaft, deren Spieler die Auslandserfahrung in der ersten Liga des Iran sammeln. Dabei komme ich nicht dahinter, ob der Schwangerschaftsbauch nun eine wenig subtile Maßnahme der Nachwuchsförderung sein soll, oder die Sendeanstalt damit nachweisen möchte, wie hart hier gearbeitet wird, da kennt man das Wort „Mutterschutz“ nicht. Jeder Cent des Rundfunkbeitrags ist das Wert.

Unerwartetes Spektakel

Zurück zum Thema. Scheiß-Brasilien kann ich mir nicht anschauen, nehme ich also, was ich bekommen kann. Haiti gegen Marokko. Das wird völlig unerwartet zum spektakulärsten Spiel der Vorrunde (bisher zumindest). Haiti macht ordentlich Dampf, sie haben nichts mehr zu verlieren, sind schon ausgeschieden, aber motiviert bis in die Rasta-Zöpfe. Der Torwart ist gerade mit Bastia aus der zweiten französischen Liga abgestiegen, an ihm dürfte es aber nicht gelegen haben. Nach ein paar Minuten führen die Haitianer, den späteren Ausgleich kontern sie mit einem wahren Kracher in den Winkel, nur in der zweiten Hälfte fallen sie nach und nach ab. Vor allem Hakimi, Spieler des Katar-Clubs PSG mit Sitz in Paris und somit gerade zwei Mal hintereinander Champions-League-Sieger, ackert für drei und sorgt mit einem Tor und einer Vorlage schließlich für den Favoriten-Sieg. Tschüs, Haiti, die zwei Stunden zwischen Mitternacht und frühen Morgenstunden waren echt keine vergeudete Zeit (anders als beim Spiel England – Ghana, bei dem ich mehr gegen den Schlaf kämpfen musste als mancher Verteidiger mit seinem Gegenspieler; ach, England!)

Bildnachweis:
Fifa.com

Auch interessant