
Erwähnte Spiele: Ägypten – Australien 1:1 n.V., Argentinien – Kapverden 3:2 n.V., Kolumbien – Ghana 1:0 o.V.
Das legendäre Sechzehntelfinale, das erste und vorläufig einzige seiner Art ist zu Ende, es ist Zeit für den berüchtigten body count, also das Zählen der Leichen, die auf dem Schlachtfeld geblieben sind. Manche nennen diese Runde einfach despektierlich „1. Runde der Raushauphase“, das wird der Bedeutung dieser Veranstaltung meiner werten Meinung nach aber nicht gerecht. Man könnte es die Qualifikationsrunde für die Kern-Weh Emm nennen, denn jetzt bleiben nur noch 16 Mannschaften übrig, die den Sieger im Raushau-Verfahren ausspielen. Wie bei den Weh Emms 1934 und 1938. Weltmeister wurde damals übrigens beide Male Italien, was diesmal erst gar nicht drohen kann.
Aus dem Innenleben internationaler Beziehungen
Zwar gab es massive Bestrebungen seitens der undurchsichtigen Lobby um den Maga von Trumpistan und dem Oberstrippenzieher des Weltballtreterkartells, Italien durch die Hintertür doch noch ins Turnier zu bringen. Israel und Trumpistan überzogen dazu einfach den Iran mit einem Krieg, um dessen Nationalmannschaft zu sanktionieren und auszuschließen. Nehmen wir doch einfach den nächsten im Alphabet, werden sie sich gedacht haben. Ihr Isländer, kommt da jetzt nicht auf dumme Gedanken, sonst annektieren wir euch wie die andere Insel da im Norden, Grünland, richtig, ist ja sowieso dasselbe im Weltbild des Maga. Israel winkte gleich ab, wir brauchen unsere Jungs für den Überfall auf den Libanon, außerdem sind wir mit dem Gasa-Streifen noch nicht fertig. Als nächstes Land wäre dann Italien dran gewesen, doch Meloni, die Großnichte dritten Grades des „Dutsche“ (Achtung: Dutsche, nicht verwechseln mit „Deutsche“ oder „Dutschke“), lehnte dankend ab. Das muss den Obermaga sehr erzürnt haben und seitdem hat sich die Romanze zwischen der Regierungschefin von Dutschistan II und dem Obermaga von Trumpistan in einen ordinären Beziehungskrach verwandelt. „Du willst nicht zu meiner Huldigung kommen?“ - „No.“ „Du hast mir deine Landebahnen für meine Bomber nicht zur Verfügung gestellt.“ - „Stronzo!“ - „Du bist sowieso eine blöde Kuh, die sich nur in meiner Sonne ablichten lassen will.“ - „Cazzo!“ - „Ich lade dich jetzt auch nicht mehr zu meiner Geburtstagsparty ein. Dabei habe ich so schöne Gladiatorenkämpfe im Käfig organisiert.“ - „Vaffanculo!“
Verbandswechsel früher und heute
Die Weh Emm 1934 war das Turnier des „Dutsche“, (ein italienisches role model für B. Höcke, nur in temperamentvoll statt in bräsig). Der ließ verstärkt in Südamerika Legionäre für seine Truppe anwerben. Vereins..., äh, Verbandswechsel unterlagen also schon damals einer Gewissens-, Sprach- und Bekenntnisprüfung. „Kennst du die Nationalhymne Italiens?“ - „No.“ - „Ist auch egal, wir ändern sie sowieso bald.“ - „Si.“ - „Sag mal was auf Italienisch.“ - „Si.“ - „Sehr schön, ich glaube das reicht schon. Bist du Faschist?“ - „Nein, ich bin Linksaußen.“ - „Schade, dann kannst du nicht für uns spielen. Und du?“ - „Ich bin rechter Stürmer.“ - „Sehr gut, dich können wir gebrauchen.“
Die Propaganda-Weh-Emm des „Dutsche“ 1934 ist die Blaupause für den Obermaga 2026, nur eben drei Mal so groß, hundert mal so teuer und dauert doppelt so lang. Vor hundert Jahren mussten die Menschen noch mit eigenen Händen auf dem Feld arbeiten und konnten sich nicht jeden Sonntag eine Bolognese leisten. Geld für teure Tickets war auch selten da. So haben sich die Zeiten zum Besseren geändert.
Argentinischer Schlendrian
Argentinien spielte am Schlusstag der Eiterblasenphase noch mal, nach den Gegnern Algerien, Österreich und Usbekistan nun gegen die Kapverden. Klang wie eine klare Sache und ließ sich auch ganz gut an. Messi, der Habgierige, stoppte einen langen Ball traumhaft am Fünfmeterraum und ließ dem Torwart mit der zweiten Ballberührung keine Chance. Man kann seine Frisur Scheiße finden, seinen normal Gesichtsausdruck mürrisch (davon bekommt Phußballphilosoph P. Guardiola, ehemals Übungsleiter des Habgierigen, auch nach 15 Jahren noch Albträume) und das Kerlchen insgesamt unsympathisch, aber sein Fußwerk versteht er wie kein anderer.
Ägypten im Elfmeterschießen
Das Spiel findet nach Mitternacht MESZ statt, mir steckt noch das Vorspiel Australien gegen Ägypten in den Knochen, das ging in die Verlängerung und dann sogar ins Elfmeterschießen. Das hat Ägypten übrigens locker gewonnen. Dabei hatte der australische Trainer noch eigens seinen Torwart in der 119. Minute ausgetauscht. Wie L. van Gal seinerzeit, 2010 oder 2014 gegen Costa Rica (ich will's jetzt nicht beschwören, dass das stimmt, aber die Sache mit dem Torwartwechsel und Holland, äh, den Niederlanden stimmt; und gewonnen haben sie auch). Diese taktische Maßnahme sollte sich aber nicht auszahlen, denn der Torwart war bei keinem ägyptischen Elfmetertreffer auch nur in der Nähe des Balls.
Ausgleich raubt meine Nachtruhe
Ich schleppe mich also in die zweite Halbzeit des Argentinien-Kapverde-Spiels, die Messi-Zuarbeiter scheinen das Geschehen ohne allzu großen Aufwand zu beherrschen. Dann gehe ich mal aufs Klo und putze schon mal die Zähne, während das Spiel am Bildschirm weiterläuft. Zurück aus dem Bad steht es 1:1, dickes Ding, wie ist das denn passiert? Ich will gleich zurückspulen (so nannte man das früher), allerdings ist das Spiel life. Ich muss auf eine Wiederholung warten, das dauert, dann sehe ich: zwei Beinschüsse, einen beim entscheidenden Pass, der andere beim Abschluss ins Tor. Argentinien verteidigt ungefähr so konsequent wie Deutschland vor dem Gegentor gegen Paraguay. Ins Bett kann ich jetzt natürlich nicht gehen, Argentinien schaltet zwar gleich in den Vorwärtsgang, doch wenn der Schlendrian erst drin ist, wird man den nicht so schnell los.
Wieder ein Ausgleich
Tatsächlich, die Kapverden, eine buntgemischte Truppe aus Profis bei zweitrangigen Vereinen in drittrangigen Ligen zwingt den Weltmeister in die Verlängerung. Argentinische Spieler liegen mit Krämpfen auf dem Rasen, und das, nachdem sie bestimmt eine Stunde lang das Tempo gedrosselt haben. Das wirft natürlich Fragen über den Fitnessstand auf. Nun muss man wiederum darauf hinweisen, dass einige schon seit drei Jahren ohne Urlaub durchspielen, so was hat selbst den großen Ronaldinho letztendlich mürbe gemacht. (Der war mal während eines Spiels auf der Ehrentribüne eingeblendet, sieht jetzt aus wie ein amerikanischer Gangster-Rapper aus den 1990er Jahren. Aber vielleicht war es gar nicht Ronaldinho, sonder wirklich ein Gangster-Rapper. Bei diesen Einblendung, speziell bei Spielen in Los Angeles, wird mir immer wieder bewusst, wie lückenhaft meine Kenntnis des zeitgenössischen Hollywood-Starkults ist.)
Die Verlängerung beginnt wieder gut für Argentinien, nach einem Eckball oder Freistoß köpft jemand ins Tor. Wenn Argentinien jetzt noch eins schießt, gehe ich ins Bett. Aber nein, die Kapverden gleichen nochmals aus, ein wunderschöner Schlenzer vom Strafraumeck in den langen Winkel, der Torschütze rast anschließend wie Speedy Gonzalez, die schnellste Maus von Mexiko, auf die Zuschauerränge und sucht seine Freundin. (Ist die eigentlich schon 18, darf die ohne Begleitung ins Fußballstadion?) Ich bleibe also immer noch auf, in der zweiten Hälfte der Verlängerung schießt Argentinien wieder ein Tor, ein ähnliches wie das zweite. Ich harre vor dem Bildschirm aus. Fast gelingt den Kapverderern wieder der Ausgleich, Torwart Martinez (so heißt der doch, der Held vom letzten Weh Emm Finale) verhindert den Einschlag mit einer Glanzparade. Dann ist Schluss und die Spieler des Titelverteidigers liegen sich erschöpft und glücklich in den Armen. Nur Messi schaut mürrisch, der hatte wohl noch etwas vor, ins Kino gehen oder so, das schafft er nun nicht mehr. Als nächstes wartet Ägypten.
Wer ist raus, wer weiter
Dann gehe ich aber wirklich ins Bett und verpasse wieder einmal ein Spiel von Kolumbien, das sich durch ein 1:0 gegen Ghana ebenfalls qualifiziert. Nun zum body count: Nach dem desaströsen Beginn (Deutschland und die Niederlande verlieren im Elfmeterschießen gegen Paraguay und Marokko) steigert sich Europa ganz ordentlich, im Duell mit Afrika siegen England und Belgien mit Mühe (gegen Kongo bzw. Senegal), die Schweiz angeblich problemlos (gegen Algerien). Da auch die Elfenbeiküste an Norwegen scheitert, ist Schwarz-Afrika im Achtelfinale nicht mehr vertreten. Wieder ist es nichts mit dem seit 50 Jahren prophezeiten Durchmarsch einer Mannschaft aus dieser Region. Aus Afrika kommen Marokko und Ägypten jeweils im Elfmeterschießen weiter. In den innereuropäischen Duellen setzen sich die Favoriten Frankreich, Spanien und Portugal gegen Schweden, Österreich und Kroatien durch. Einzig Bosnien Herzegowina bleibt gegen ein nicht-europäisches Land auf der Strecke, gegen den Gastgeber USA. Auch die beiden anderen Gastgeber kommen weiter, Kanada gegen Südafrika und Mexiko gegen Ecuador. Die weiteren südamerikanischen Teams kommen auch weiter, Brasilien mit etwas Mühe gegen Japan, Argentinien mit mehr Mühe gegen die Kapverden und Kolumbien wohl ohne wirkliche Probleme gegen Ghana, das im gesamten Spiel angeblich nicht einmal auf das gegnerische Tor geschossen hat. Asien und Australien verlassen als Kontinente die Veranstaltung, Europa und die Amerikas, angereichert durch zwei Mittelmeeranrainer, machden den Rest unter sich aus. Damit Vorhang zu, die Eiterblase ist geplatzt, die Kern-Weh-Emm kann beginnen, mit dem Duell Kanada gegen Marokko, später dann Frankreich gegen Paraguay. Das hätte Deutschland sein können...