Sind Parlamentswahlen wichtiger als Kommunalwahlen? Häufig tendieren Menschen dazu, Kommunalwahlen als weniger wichtig anzusehen. Dabei findet das alltägliche Leben gerade im kommunalen Bereich statt, und Entscheidungen, die auf Kommunalebene getroffen werden, haben oft einen direkteren Einfluss auf das persönliche Leben als Entscheidungen in anderen Bereichen.
Am vergangenen Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, luden daher Vertreter:innen der Piratenpartei zu einer Podiumsdiskussion in Prag 10 (Vršovice) ein. Unter dem Slogan „Regenbogen-Kommunalpolitik“ (Duhový komunál) wurde im Bistro Moje Místo („Mein Platz“) der Frage nachgegangen, wie Kommunalpolitik das Leben queerer Menschen beeinflusst. Mit dabei waren Zuzana Böhmová (stellvertretende Bürgermeisterin von Prag 11), Bára Soukupová (Mitglied des Prager Stadtrats), Josef Kubát (Kandidat für den Gemeinderat von Prag 10) und die Moderatorin Lenka Králová, Autorin des YouTube-Podcasts „V Tranzu“ und Kandidatin für den Gemeinderat von Prag 10.
In der Diskussion ging es um unterschiedliche Events und intransparente Vorgänge bei der Fördervergabe für queere Projekte und Events. Insbesondere das jährliche Prague-Pride-Event, eine der größten Veranstaltungen dieser Art in Europa, scheint immer mehr unter Druck zu geraten. Die Diskussionsteilnehmer:innen unterstrichen dabei den integrativen Charakter der Veranstaltung. Prague Pride bringe Menschen aus ganz unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft zusammen. Auch würden zahlreiche Besucher aus dem Ausland zum jährlichen Prague Pride nach Prag kommen. Wirtschaftlich ist Prague Pride damit ein durchaus wichtiges Ereignis in Prag und wurde in der Diskussion mit ähnlichen Events in Amsterdam verglichen, wo die Stadtverwaltung Pride Amsterdam als selbstverständlichen Teil lokalen Identität ansieht.
ARTE-TV: Tracks East - Streit um Tschechiens neuen Kurs
https://www.arte.tv/de/videos/129417-024-A/tracks-east/
Dass bestimmte Kulturszenen in Prag in letzter Zeit immer mehr unter Druck geraten, thematisierte auch der deutsch-französische Fernsehsender ARTE kürzlich in seinem Beitrag „Tracks East – Streit um Tschechiens neuen Kurs“. Darin wurde auch berichtet, dass der meist sehr bunt gemischten jungen Szene, die ihre Musik-Events unterhalb des Metronoms im Letná-Park abhält, kurzerhand die Genehmigung zum Alkoholausschank entzogen wurde. Solche Beispiele zeigen, wie schnell und einfach bestimmten – kommerziell auch weniger attraktiven – Orten der Boden unter den Füßen entzogen werden kann. Im selben TV-Beitrag erwähnt der Prager Künstler und Filmemacher Jakub Jansa, dass es ihm dieses Jahr besonders schwer gemacht wurde, den tschechoslowakischen Pavillon auf der Biennale in Venedig zu präsentieren. Er wählte dafür das Thema „Das Schweigen des Maulwurfs“. (Der Maulwurf ist in der tschechischen Kulturgeschichte eine bekannte Zeichentrickfigur.)
Jakub Jansa präsentiert den tschechoslowakischen Pavillon bei der Biennale in Venedig 2026
https://www.labiennale.org/en/art/2026/czech-republic-and-slovak-republic
Mit der Schließung der Wahllokale am Samstag um 14 Uhr endet die Stimmabgabe bei den tschechischen Kommunalwahlen, deren Ergebnisse auch über die künftigen politischen Kräfteverhältnisse in Prag und seinen Stadtteilen entscheiden werden. 2022 lag die Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen bei lediglich 46,07 %. Die Ergebnisse der diesjährigen Kommunalwahlen werden auf der offiziellen Seite für Wahlergebnisse bekannt gegeben. Das Ergebnis bleibt spannend: https://volby.gov.cz/app/kv2026/cs/20261009/home
Prag, 10.10.2026
Konstantin John Kowalewski