
Finale: Spanien – Argentinien 1:0 n.V.
Das Finale an sich ist schnell erzählt, mit seinem reformierten Tiki Taka überließ Spanien dem Gegner nur ganz selten den Ball und eroberte diesen meist rasch wieder zurück. Messi wurden deutlich die Grenzen aufgezeigt, mit 39 Jahren geht man gegen ein durchorganisiertes europäisches Spitzenteam unter. Seine ansatzweisen Dribblings reichten gerade mal zu einem Raumgewinn, um einen kontrollierten Pass auf den Flügel zu spielen, wo ein Mitspieler den Ball dann verlor. Das einzige Manko der Spanier waren allerdings die halbherzigen Schüsschen und Kopfbälle aufs Tor, als sollten diese einen Torabschluss nur simulieren. Argentinien kam nicht einmal besonders in seine gefürchtete Zweikampfhärte, denn die Spieler liefen dem zirkulierenden Ball meist nur hinterher.
So besiegt man Argentinien
Dieses Endspiel habe ich schon zwei Mal gesehen, 1990 mit Deutschland gegen Maradonas Rumpftruppe (nach dem Halbfinalkrieg gegen Italien war die Hälfte der argentinischen Mannschaft gesperrt) und 2014, wieder Deutschland, diesmal gegen Messi. Spaniens Trainer hat sichtlich daraus gelernt und so konnte das Ergebnis nur ein 1:0 sein. Obwohl Spanien drei Tore geschossen hat, eines wurde wegen Milimeterabseits der Schulter aberkannt (reformiert endlich die Abseitsregel, nicht die Schulter, sondern die Füße sind entscheidend), das andere aus mir völlig unerfindlichen Gründen. Es ging wahrscheinlich nur darum, den Spannungsbogen noch zu halten. Natürlich beendete Argentinien das Spiel nicht zu elft, ein gelb vorbelasteter Spieler konnte der Versuchung nicht widerstehen und hielt einfach mal den Fuß drauf. Selbstverständlich war er sich keiner Schuld bewusst und verließ den Platz erst, als ihn die Polizei in Handschellen abführte. Das machte die Angelegenheit für die hoffnungslos unterlegenen Argentinier nicht gerade leichter.
Finale in Freds Bar
Das Finale sehe ich wie 2022 und 2014 in Freds Bar, einige der Anwesenden dürften schon damals dabei gewesen sein. Angesichts der Spielweise ruft Karel immer wieder, die Argentinier sind Bergmänner, sie hauen die ganze Zeit (zugegeben, der Wortwitz ist auf tschechisch besser), Eva aus Spanien (die 2022 und 2014 sicher nicht dabei war, weil sie zu jung ist) läuft jedes Mal jubelnd mit ihrer Fahne vor den Bildschirm und wir müssen sie zwei Mal in die Realität zurückholen, weil die Tore nicht anerkannt werden. Später malte sie spanische Flaggen auf die Wangen. Leider vergesse ich das irgendwann und schmierte mir die Farbe bis in die Haare. Kip erlaubt es nicht, den Namen des Obermaga von Trumpistan auszusprechen und bringt sich mit einigen shots in einen bedenklichen Zustand. Wir tanzen und toben herum, hören spanische Musik und sind im Grunde genommen einfach nur glücklich, aus dieser Hölle Fußball Weh Emm in Trumpistan mit einem wenigstens würdigen Sieger entlassen worden zu sein.
Messi ist traurig
Natürlich blieb der Obermaga nach der Siegerehrung noch am Rande des Bilds, als die Konfettikanone die Siegermannschaft mit dem Siegerpokal unsterblich machte (was Kip beim Obermaga nicht hoffen will). Messi saß traurig am Rande und konnte es nicht fassen, mit was für einer schlechten Mannschaft er die Mission Titelverteidigung hatte angehen müssen. Weit hatte er die Seinen (sind sie das wirklich? Die argentinische Nationalmannschaft und Messi haben doch mindestens ein Jahrzehnt lang miteinander gefremdelt.) gebracht, in Spielen gegen Algerien, Österreich (den dritten Gruppengegner habe ich vergessen, vielleicht war es der Irak), die Kapverdischen Inseln, Ägypten (gegen wen ging es nochmals im Viertelfinale? Ach ja, die Schweiz, die spielerisch klar besser war) und England. Mbappé entriss ihm nicht nur die Torjägerkanone, sondern ist auch in der Anzahl der geschossenen Tore bei allen Weh Emms bereits vorbeigezogen und außerdem mehr als ein Jahrzehnt jünger. Immerhin hat Messi ein Weh Emm-Finale mehr als Maradona geschafft, wenn er auch an dessen Popularität niemals vorbeikommt. Ihn haben die Menschen geliebt, gerade auch wegen seiner Fehler. Messi werden sie nur achten als einen, der es sehr weit gebracht hat in der Fremde.
Wer sind eigentlich diese Spanier?
Nun zu den Siegern, wer ist das eigentlich, diese Mannschaft, von der kein einziger bei Real Madrid spielt? Dani Olmo kennt man noch aus der Bundesliga, ebenso wie Ersatzspieler Grimaldo. Rodri ist der Spieler, den P. Guardiola so sehr in seiner schlechtesten Saison bei Manchester City vermisst hat. Natürlich sind da noch L. Yamal, dem in diesem Turnier glaube ich kein einziges Tor gelang, und sein Pendant auf dem linken Flügel Williams, der aber nur in der Jokerrolle zum Einsatz kam. Dann ist da noch Oyarzabal (richtig geschrieben?), der Mittelstürmer aus dem Baskenland, der seinen Heimatclub, ich denke San Sebastian, nicht verlassen möchte. Pedri, eine Schaltstelle im Mittelfeld, wohl unter dem deutschen Trainer H.-D. Flick beim FC Barcelona spielend, kenne ich auch noch. Aber dann... Klar, der Linksverteidiger mit dem Handspiel im Eh Emm-Viertelfinale gegen Deutschland, Cucurella, spielt da auch noch. Und der Rest? Tja, da muss ich dann erst mal recherchieren...
Gewonnenes Finale, verlorenes Smartphone
Der Abend endete dann doch noch mit einem Wermutstropfen. Als die erste Euphorie verflogen war, bemerkte Eva aus Spanien, dass ihr Smartphone abhanden gekommen war. Das kommt für so junge Leute einer absoluten Katastrophe gleich. Ich bemühte mich zwar nach bestem Wissen zu helfen, konnte es leider auch nicht herbeizaubern. Auf dem Heimweg ging ich dann noch in der Halbfinalkneipe vorbei mit der Option auf ein allerletztes Bier. Doch dort war die Weh Emm bereits Vergangenheit, die Menschen spielten unaufgeregt Darts, das Fernsehbildschirm war längst erloschen, beim Hinausgehen fragte ich den Barkeeper, der gerade eine Zigarettenpause machte, ob er froh sei, dass die Weh Emm vorbei sei. Er schüttelte lächelnd den Kopf.
Argentinischer Straßenkampf
Am nächsten Morgen lasen wir dann in den Zeitungen (haha, was für ein antiquiertes Bild, im Internet lasen wir es natürlich in irgendwelchen newsfeeds), dass die Argentinier sich nach Schlusspfiff wie üblich bei Niederlagen daneben benommen haben und mit ihrer Straßenschlacht noch auf dem Spielfeld begonnen haben. Man kennt das zur Genüge und fragt sich, wann die Weltfußballmafia endlich empfindlichere Strafen dafür verhängt. Diesmal soll sogar der Co-Trainer mitgemischt haben.
Schluss noch die für mich schönste Szene des gesamten Turniers, sie ereignete sich in einem Gruppenspiel, in dem entweder die Kapverden oder Curacao beteiligt waren, es war wohl das dritte Spiel und es lief noch die erste Hälfte der zweiten Halbzeit so die 60. Minute, als ein kapverdischer oder vielleicht doch ein Curacao-Spieler bereits mit Krämpfen im Mittelkreis lag. Sein Gegenspieler bemühte sich fürsorglich um den Krampf des Gegenspieler, doch als er sah, dass seine Mannschaft flott über die linke Seite nach vorne stürmte, warf rs das Bein weg, stürmte vor das Tor und erwischte auch prompt die Flanke, die der Torwart nur nach vorne abklatschen konnte. Ein Stürmerkollege besorgte den Rest und staubte locker ab. Auch Mitmenschlichkeit hat seine Grenzen. Vor allem, wenn es ums Weiterkommen geht.