Die Nachricht ging gestern Abend wie ein Paukenschlag durchs Internet, als Julia Reda ihren Rücktritt in einem Video auf ihrem Youtube-Kanal bekannt gab. Hintergrund seien Beschwerden gegen ihren ehemaligen Büroleiter Gilles Bordelais wegen sexueller Belästigung, erklärte Reda. Es ginge nicht darum, ob Bordelais eine Straftat begangen habe, sondern, ob Bordelais jemand sei, den man noch wählen wolle, äußerte sie sich. „Das Verhalten von Gilles hat mir und meinem Team einen schweren Schlag versetzt. Es hat uns psychisch richtig mitgenommen.“ Sagte die ehemalige Vorsitzende der Young Pirates of Europe.
Der Bundeswahlausschuss der Piratenpartei habe Bordelais trotz der Vorwürfe nicht von der Liste gestrichen, so dass sie deshalb die Partei verlasse. Auch forderte sie ihre Unterstützer auf, die Piraten nicht mehr zu wählen, da sonst Bordelais Redas politische Position in Brüssel einnehmen und so von ihrer vorigen Arbeit profitieren könne. „Wenn ihr jetzt wegen meiner Arbeit die Piratenpartei wählt, dann wählt ihr am Ende womöglich den Typen, der mir hier das Leben schwer gemacht hat und der möglicherweise dafür verantwortlich ist, dass wir die Abstimmung über die Upload-Filter verloren haben.“ So Reda.
Ihre Hoffnungen ruhten nun auf den tschechischen Piraten, aus denen bei der letzten Kommunalwahl Zdeněk Hřib als Oberbürgermeister der Stadt Prag hervorging. „Es ist wahrscheinlich, dass die tschechische Piratenpartei mit mehreren Sitzen ins Europa-Parlament einziehen wird.“ Sagte Reda und weiter: „Die machen dort einen wirklich guten Job. Und ich hoffe, die werden meine Arbeit weitertragen.“
Prag, 28.03.2019
Konstantin John Kowalewski