
Von den vielen Spielen finden Erwähnung: Deutschland – Elfenbeinküste 2:1, Schweden – Tunesien 5:1, England – Kroatien 4:2, Uruguay – Saudi Arabien (?) 1:1, Ecuador – Curacao 0:0, Niederlande – Schweden 5:1, Brasilien – Marokko 1:1, Kanada – Katar ?:0, Tschechien - Südkorea 1:2
Zehn Tage frisst sich die mega maga muga WM bereits durch unsere Zeit, oder sind es schon elf oder doch erst neun? Man weiß ja gar nicht mehr, ob die Spiele von gestern erst heute stattfinden oder umgekehrt. Wenn man es noch rechtzeitig ins Bett schafft, vermeidet man Spiele wie Ecuador gegen Curacao weit nach der Geisterstunde. Und wenn man dann morgens aufwacht, stellt man beim ersten Blick aus dem windows fest, dass man schon wieder drei Spiele verpasst hat. Die giga gaga Show in Trumpistan und noch anzuschließenden Nachbarländern raubt Europa den Schlaf.
Drei Eröffnungsspiele
Alleine das Eröffnungsspiel hat drei Tage gedauert, bis dann das Team „Ämerigä föst“ seiner Favoritenrolle gerecht wurde. Der Ober-Maga wird’s mit Genugtuung genossen haben, wenn's ihm denn zwischen Iran-Krieg und Abschlag auf Loch sieben zu Ohren gekommen sein sollte.
Was bleibt nach gefühlt 50 Spielen? Neue Regeln gibt’s, richtig. Wenn einem der Pausentee während des hydration breaks aufstößt, sollte man gegen alle Anstandsregeln nicht die Hand vor den Mund nehmen, denn das gibt eine Rote Karte. Andererseits kann man die Wadenmuskulatur seines Gegenspielers ungestraft auf Stollenresistenz testen, zumindest wenn man Messi heißt. Der hat vor dreieinhalb Jahren diesen Kokolores mit dem halbseidenen Negligé als Siegerehrung mitgemacht, der hat von Infantino, dem Oberstrippenzieher bei der mega maga gaga Weh Emm eine wild card bekommen und kann sich auf dem Platz nach Lust und Laune austoben. Der „Zwerg“ (Zitat: Z. Ibrahimovic) tritt jetzt zurück, da macht der VAR auch nichts mehr.
Gibt es noch public viewing?
Tagelang habe ich mich nicht aus dem Haus getraut, nachdem ich am ersten Spieltagssamstag in der Straßenbahn einen interessanten Dialog gehört habe, geführt selbstverständlich in der üblichen Verkehrssprache, genannt simpleng. Ich zitiere wörtlich: „Can you look, if there is a fan zone like in Germany?“ Darauf die Replik: „I only work for salary.“ Ich fürchte, die Gruppe multinationaler unternehmungslustiger gemischtgeschlechtlicher – jetzt ganz ohne Diskriminierung aller anderen 35 Geschlechter – Jungprofessioneller ist leider leer ausgegangen und hat sich Marokko gegen Brasilien einfach in einer supranationalen Bar anschauen müssen.
Fan Zone in Prag bei Anstoßzeiten um 0, 2, 3oder 6 Uhr? Bitte. Schon das erste Spiel der tschechischen Mannschaft (4h in der Früh) hat das Tschechische Fernsehen zu bester Sendezeit am Freitagabend nach den zprávy wiederholt, damit sich die gesamte Nation von der überlegenen südkoreanischen Technik überzeugen konnte, nicht nur bei den Atommeilern Temelín 5 und 6, sondern auch auf dem Grün, das für manche die Welt bedeutet.
Beinbruch – leider in echt
Erste Verluste gibt es ja auch schon, ein Katarer – warum sind die denn schon wieder dabei?, ach ja, 48 Mannschaften - hat einem Kanadier das Bein gebrochen. Das sah so übel aus, dass die TieWie-Redaktion auf eine Wiederholung des Anschlags verzichtet hat. Gut zu hören ist, wie ein Betreuer den vierten Schiedsrichter an der Seite mehrfach erklären musste, „his leg is broken“, bis der endlich die Sanitäter auf den Platz gelassen hat.
Kosten eines Kopfes
In Erinnerung geblieben ist auch die schnelle Reaktion des tunesischen Verbands auf die blamable 1:5 Niederlage gegen Schweden. Die hat den Trainer anschließend den Kopf gekostet – also sprichwörtlich, nicht wörtlich, in manchen Ländern sollte man mit der Metapher vorsichtig sein. Genützt hat es leider nichts, denn Tunesien ging mit neuem Trainer auch im zweiten Spiel baden: 0:4 gegen Japan. Schweden machte es übrigens in seinem zweiten Spiel ähnlich schlecht, 1:5 gegen die Niederlande. Und das war das erste Spiel, das ich in einem recht überschaulichen public viewing verfolgt habe, zusammen mit zwei Schweden. Die waren zwar nicht begeistert und Fred hat den Großteil der zweiten Halbzeit vor seiner Bar verbracht, statt hinter dem TieWie, aber doch gefasst. Könnte noch reichen für das Sechzehntelfinale – welch ein bescheuertes Wort, das mir beim Schreiben einen Knoten in die Fingerkuppen macht.
Spielt Blixa Bargeld noch bei Nick Cave's Bad Seeds?
Wie ich festgestellt habe, gibt es tatsächlich Personen, welche all die kleinen Geschichten am Rande als unterhaltsames Infotainment ernst nehmen und dazu etwas sagen können. Während des Spiels habe ich den interessanten Tipp erhalten, mir mal Blixa Bargeld liest den Katalog von Hornbach anzuhören: „Schlagbohrmaschine, viertausend Watt“. Muss ich gleich mal machen.
Aber erst noch zum zweiten Spiel, denn da müssen wir natürlich hin, zur deutschen Mannschaft. Nach den Minderleistungen 2018 und 2022 konnte die Mannschaft, wie die Schweden sie nennen (auf Schwedisch klingst das so ähnlich wie „manskop“) die nächste Runde klarmachen, Glückwunsch! Ich schaute in Fred's Bar, die mittlerweile von einem seiner Söhne geführt wird, im Kreis von zweieinhalb Mitsehern. Undav sei Dank gab es ein 2:1 in letzter Minute gegen die Elfenbeinküste, womit eigentlich der Gruppensieg vor dem letzten Spiel feststehen dürfte, wenn ich die Regularien richtig verstehe und sie nicht gleich wieder geändert werden. Trotzdem droht wohl im Achtelfinale Frankreich, habe ich mir sagen lassen
Schlaglichter
So, was kann man denn noch so erzählen? Das beste Spiel war England gegen Kroatien, emotional bewegt hat mich Uruguay gegen, na, es war wohl Saudi Arabien, oder doch ein anderer Gegner. Der gebührende Respekt vor dem Altmeister und die Erinnerungen an Diego Forlan, WM 2010, gemischt mit den beherzten, wenn auch teils unbeholfenen Bemühungen um den Ausgleich, der dann spät auch fallen sollte, weckten bei mir so ein klein bisschen etwas wie ein Fußballfierberchen (mit Reminiszenz an K.H. Rummenigge), könnte man sagen. Ansonsten muss man mal sagen, dass der Fußball mittlerweile durchglobalisiert ist, eine Mannschaft wie Usbekistan (habe ich, ehrlich gesagt, noch nicht gesehen) benutzt die gleichen taktischen Mittel wie die Kapverdischen Inseln. Pep Guardiola, den man im Gegensatz zum Ober-Maga in Trumpistan auf den Rängen gesehen hat, sucht vergeblich nach neuen spieltechnischen Erleuchtungen. Eigentlich spielen alle den gleichen Fußball, die einen nur etwas besser. Und Team „Ämerigä föst“ wird Weltmeister. So hat es der Ober-Maga beschlossen und seine Getreuen tragen es in die Haut geritzt hinaus in die Welt der Ober- und Unterränge.